Toolmaker Talk mit Ralf Lindner von Medisana

Als Quantified Self Deutschland Sponsor unterstützt uns Medisana bei der Durchführung unserer Meetups und dem Ausbau der Quantified Self Community. Ralf Lindner, CEO von Medisana, steht uns im Toolmaker Talk Rede und Antwort.

Hallo Herr Lindner, Sie sind Geschäftsführer eines Deutschen Traditions-Unternehmens für Gesundheitsprodukte. Mittlerweile befinden sich immer mehr digitale Lösungen im Angebot von Medisana. Woher kommt diese Entwicklung?

Ralf Lindner_MedisanaDie Entwicklung digitaler Lösungen, besonders auch für Gesundheitsprodukte liegt vor allem an der rasant zunehmenden Verbreitung und Verwendung mobiler Kommunikationsgeräte wie Tablets und Smartphones. Dadurch erleben wir zur Zeit die Transformation hin zu einer zunehmend vernetzten Welt mit kommunikationsfähigen und vernetzten Produkten und neuen, innovativen Dienstleistungen. Als Pionier der mobilen Gesundheit haben wir uns mit unseren Produkten als Innovationsmarktführer in Europa etabliert. Für die intelligente Verknüpfung von Hardware, Software und modernster Cloud Solution ist das VitaDock System heute das modernste und erfolgreichste System der persönlichen und mobilen Gesundheitskontrolle.

Welche digitalen Gesundheitslösungen bieten Sie mit Ihrem Unternehmen an?

Wir bieten digitale Gesundheitslösungen für den individuellen Bedarf unterschiedlicher User- bzw. Patientengruppen an. Zum Beispiel mit den Medisana Connect Körperanalyse-Geräten, den Vifit Activity Trackern und der neu entwickelten VitaDock+ App ermöglichen wir die Aufzeichnung und Verknüpfung von Gesundheitsparametern und Activitydaten in einer App. Die automatisch synchronisierten Daten können so jederzeit abgerufen, analysiert und mit anderen geteilt werden. Auch online, von jedem Punkt der Welt, sicher verschlüsselt und unabhängig vom genutzten Betriebssystem. In das System integriert sind ebenfalls Blutdruckmessgeräte, Körperanalyse Waagen, Blutzuckermessgeräte, Activity Tracker und Fieberthermometer.

Was sind die Vorteile von vernetzten Waagen, Blutdruck- oder Blutzucker-Messgeräten die Gesundheitswerte nicht nur messen sondern auch automatisch aufzeichnen?

Die Geräte vereinfachen unser Leben. Menschen, die täglich auf z.B. Blutzucker- Messgeräte angewiesen sind, müssen sich ihre täglichen Werte nicht mehr merken oder notieren. Diese werden einfach z.B. auf dem Smartphone synchronisiert und gespeichert. Somit kann der Benutzer seine Werte jederzeit einsehen und vergleichen. So wird eine 360°-Gesundheitsvorsorge Realität und begleitet uns unauffällig und zuverlässig in Beruf und Freizeit, zuhause und unterwegs, bei Tag und in der Nacht.

Welche Produkte würden Sie zukünftig gerne in Ihr Sortiment aufnehmen?

Wir erweitern unser Sortiment zur Zeit in Richtung Sport und Fitness. Die sinnvolle Verknüpfung der Gesundheitswelt mit der Sport- und Fitnesswelt hat für uns nicht nur höchste strategische Bedeutung, sondern erschließt sich schon aus der Tatsache, dass viele unserer Zivilisationskrankheiten maßgeblich durch Bewegungsmangel entstehen. Viele Studien belegen, dass körperliche Bewegung und gesunde Ernährung einen Großteil dieser Volkskrankheiten verhindern, lindern oder sogar heilen können. Hier, an der Schnittstelle zwischen Wellness und Fitness ist ein neuer Markt entstanden, an dem mit Pulsuhren und Fitnessarmbändern – die auf unterschiedliche Weise mit Smartphone Apps kommunizieren können – weltweit schon Millionen Menschen teilnehmen.

Im Laufe des Jahres werden wir weitere innovative Produkte vorstellen, die den wichtigen Volumenmarkt an der Schnittstelle zwischen Wellness und Fitness und damit zwischen Gesundheit und Sport ansprechen und erwarten hieraus kräftige und nachhaltige Wachstumsimpulse für die Medisana.

Nutzen Sie Self-Tracking Lösungen auch privat?

Ja, persönlich nutze ich die Waage und den Activity Tracker. Der Tracker begleitet mich täglich durchs Leben, ich habe ihn immer bei mir und kann abends kontrollieren wie viel ich mich täglich bewegt habe. Nachts zeichnet er meine Bewegungen im Schlaf und die Schlafdauer auf. Durch die Waage habe ich immer einen Überblick über meinen Gewichtsverlauf.

Wie sehen Sie die Zukunft von Self-Tracking und welche Rolle spielt das für das Gesundheitssystem?

Self-Tracking wird eine große Rolle in unserem zukünftigen Gesundheitssystem spielen. Vernetzte und kommunikationsfähige Gesundheitsprodukte werden zunehmend auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung in vielen Ländern leisten. Die Einbindung von Self-Tracking Daten in den Diagnose- und Behandlungsprozess des Arztes ermöglicht eine neue Qualität in der Patienten-Arzt- Beziehung und hat in ersten Studien bereits eine positive Wirkung auf den Heilungsverlauf und der Erreichung von Therapiezielen wie z.B. Gewichtsreduktion, bemerkenswerte Erfolge gezeigt. Hier erfahren wir eine große Nachfrage institutioneller Einrichtungen, von Krankenkassen und Versicherungen, sowie Anbietern betrieblicher Gesundheitsdienstleistungen, die mit der Einbindung von VitaDock Daten die Gesundheitsversorgung ihrer Patienten vervollständigen wollen.

Verhaltensänderung mit Apps und Gadgets

Holger Dieterich sprach beim 5. Berliner Show & Tell über Verhaltensänderung. Der freiberufliche Consultant nutzt seinen Fitbit und verschiedene andere Apps um sich zu mehr Aktivität im Alltag und zu regelmäßigen Laufen zu motivieren. Welche Tools er verwendet und was er dabei herausgefunden zeigt das Video.

Großes Interesse an Self-Tracking

In Amerika ist das Aufzeichnen von Daten zur Gesundheit weit verbreitet. Nach einer im September 2012 veröffentlichten Studie des Pew Research Centers erfassen 69 % der amerikanischen Bevölkerung einen oder mehrere Werte wie Gewicht, Blutdruck oder Blutzucker, zumeist für sich selbst, in vielen Fällen auch für eine Person aus dem persönlichen Umfeld. 21% der amerikanischen Bevölkerung nutzen Apps, Sensoren und Websites um ihre Daten zu speichern und auszuwerten, was im Vergleich zur reinen Messung ohne Aufzeichnung zu einem besseren Bewusstsein im Bezug auf die eigene Gesundheit führt.

Eine Emnid-Umfrage in Deutschland, Frankreich und Großbritannien liefert nun erstmals einen Einblick in das Interesse der Europäer am Self-Tracking. Je Land wurden 1.000 Personen zwischen 14 und 65+ Jahren befragt, welche Aspekte ihres Lebens sie gerne messen würden, um gesünder und bewusster zu Leben. Die Ergebnisse der Studie bestätigen den Eindruck, den wir in der Quantified Self Community schon seit längerem haben: Weit mehr als die Hälfte aller Deutschen und Briten zeigen großes Interesse daran, diverse Aspekte ihres Lebens wie gesundheitliche Indikatoren oder persönliche Finanzen zu analysieren, um besser und bewusster zu leben. Die Franzosen stehen dem Trend zum Self-Tracking etwas skeptischer gegenüber. Hier begeistert sich nur ein knappes Drittel der Befragten dafür.

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Gesundheit, Umwelt, Finanzen vor Sport und Fitness

Die Befragten in Deutschland und Großbritannien interessierten sich zumeist für ihre Gesundheit: 73 Prozent der Briten und nahezu 62 Prozent der Deutschen wollen Parameter wie etwa Bluthochdruck oder Blutzucker im Auge behalten. Mit 59 Prozent hegen die Deutschen an zweiter Stelle den Wunsch, den persönlichen Energieverbrauch überwachen zu können. Diese Frage beschäftigt insbesondere Frauen, von denen 60 Prozent ihren persönlichen CO2-Ausstoß analysieren wollen – bei den Männern ist das nur 45 Prozent wichtig. Ebenfalls interessiert zeigten sich die Befragten daran, Statistiken zu ihren persönlichen Finanzen auszuwerten (73 Prozent der Briten, 56 Prozent der Deutschen). Dieser Aspekt ist auch der einzige, der von mehr als der Hälfte der Franzosen als relevant angesehen wird.

Daten zu sportlichen Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren interessieren im Durchschnitt nur die Hälfte der Deutschen und gar nur 42 Prozent der Briten und 34 Prozent der Franzosen. Informationen zu aufgenommenen bzw. verbrauchten Kalorien interessieren ebenfalls nur 53 Prozent der Deutschen und sogar nur 32 Prozent der Franzosen. Anders sieht dies bei den jungen Befragten zwischen 14 und 29 Jahren aus: Ihr Interesse am Life-Logging liegt zum Teil bis zu 27 Prozent über dem Durchschnitt.

Analysieren und Handeln

Auch die Nutzung der aufgezeichneten Daten hängt stark vom Alter der Befragten ab. In England zum Beispiel würden etwa 78 Prozent der jüngsten Befragten (bis 24 Jahre) ihre Leistungen steigern wollen und 72 Prozent sogar ihr Leben ändern. Bei den ältesten Befragten (65 Jahre und älter) sind dies nur 31 bzw. 32 Prozent. Ein ähnliches Gilt zeigt sich auch in Deutschland und Frankreich. Ganze 46 Prozent der deutschen Jugend (14 bis 29 Jahre) fühlt sich durch die Daten motivierter, bei den Älteren (60 Jahre und älter) trifft das nur auf 22 Prozent zu. Bei den Franzosen wären mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Jugendlichen (bis 24 Jahre) motivierter, aber lediglich ein Viertel der Älteren (65 Jahre und älter) denkt genauso. Auch bei der Bereitschaft zum Teilen und Vergleichen der Daten mit anderen wird mein Eindruck aus der Quantified Self Bewegung bestätigt. Lediglich ein Drittel der Briten ist daran interessiert, die Daten mit denen anderer zu vergleichen. In Deutschland und Frankreich sind das sogar nur 22 beziehungsweise 19 Prozent.

Die Umfrage wurde im August 2013 im Auftrag von QlikTech, dem führenden Anbieter von anwendergesteuerter Business Intelligence Software durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Europäer ein vitales Interesse an Daten zu ihrer eigenen Gesundheit besitzen, ähnlich wie die Bevölkerung Amerikas, dem Ursprungsland der Quantified Self Bewegung.

Dieser Artikel ist im Original auf igrowdigital.com erschienen

Das 5. Münchner Quantified Self Meetup

Beim 5. Münchner Quantified Self Meetup am 28. August stellen mehrere Self-Tracker und Unternehmen ihren Bezug zu persönlichen Daten vor. Das Programm umfasst unter Anderem folgende Themen:

Walter Scheuregger spricht getreu dem Motto „alles im grünen Bereich“ über Ernährung und Regulationsmechanismen des Stoffwechsels. Mit dem optischen Messverfahren erlauben die Geräte seiner Firma Mevitec eine nicht invasive Messung von Vitalitätsparametern auf Basis von Lichtstrahlen. Wie das Verfahren funktioniert und was es misst, können die Besucher des Meetups vor Ort ausprobieren.

Yago Veith vom Schweizer Unternehmen QUENTIQ möchte Menschen zu einer gesunden Lebensweise motivieren. Dazu werden bei der Gesundheitsplattform Vitalitäts- und Aktivitätswerte des Nutzers zu einem individuellen Health Score® berechnet und in einer Zahl von 1 bis 1.000 ausgedrückt. Wie mit Gamification zu einer gesünderen Lebensweise motiviert werden kann und über einen möglichen Einsatz des Health Score zur finanziellen Incentivierung berichtet der Head of Digital Marketing von QUENTIQ beim Münchner Meetup.

Soma Analytics entwickelt eine Smartphone Anwendung welche den Stresslevel ihres Nutzers erfasst und zu einem entspannteren Alltag beitragen möchte. Dazu analysiert die App die Interaktion mit dem Telefon über den Tag und misst den Schlaf in der Nacht. Christopher Lorenz, verantwortlich für die Datenverarbeitung bei Soma Analytics, stellt das junge Münchner Startup mit seinem Produkt vor.

Darüber hinaus ist die Bühne offen für Berichte von Self-Trackern über ihre Erfahrung im Umgang mit persönlichen Daten. Wer spontan präsentieren möchte kann eine PPT/ Keynote / PDF Präsentation bis zu einem Umfang von 15 Minuten mitbringen. Das Meetup findet am 28. August um 19:00 Uhr im Combinat 56, Adams-Lehmann-Straße 56 statt.

Podiumsdiskussion zu Quantified Self auf der re:publica 2012

Auf der diesjährigen re:publica wurde das Thema Quantified Self in mehreren Beiträgen  von verschiedenen Seiten betrachtet. Im nachfolgenden Video sehen Sie die Referenten des re:health Tracks Bastian GreshakeBruno KollhorstKora KimpelFlorian Schumacher und Tobias Neisecke bei der Podiumsdiskussion über Quantified Self.

Die Vielfalt des Self-Trackings

Viele Self-Tracker nutzen für Ihre Projekte Sensoren und Softwaretools um Informationen zu erfassen – oftmals mit dem Ziel, das Self-Tracking soweit wie möglich zu automatisieren. Im Gegensatz zu diesem passiven Tracking steht das aktive Tracking, bei dem auf Papier, in Tabellenkalkulationen oder Apps die Information vom Nutzer selbst festgehalten wird. Auch wenn dies mehr Aufwand bedeutet, hat die bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst einen fokussierenden und motivierenden Effekt. Ein gutes Beispiel für aktives Tracking gibt Ben Ahrens in seinem Show&Tell „Cultivating Intuition Through Meticulous Self-Tracking“.

Richard Ryan haben einige von uns bereits auf der Quantified Self Conference 2011 in Amsterdam kennengelernt. Beim Meetup in San Francisco gibt er einen Einblick, wie er sein Leben durch Self-Tracking verbessert hat. Hier sehen Sie sein Show&Tell „Notes Towards a Biohacking Handbook“.

Weitere Show & Tell Videos findet Sie in der Quantified Self Gruppe bei Vimeo.