Frohes QS #15

Zum Beginn des Jahres habe sich viele von uns neue Vorsätze gesteckt und die immer beliebter werdenden Quantified Self Apps und Geräte sind hierfür eine tolle Unterstützung. Der Nutzen von Self-Tracking-Lösungen hängt jedoch auch von der sinnvollen Anwendung ab, die den eigenen individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Hier leisten wir als Quantified Self Bewegung Aufklärungsarbeit und befähigen Menschen, mehr über sich zu erfahren und dieses Wissen umzusetzen. Nach mittlerweile drei Jahren mit Quantified Self Meetups in Deutschland haben sich tolle Communities und Freundschaften gebildet. Insbesondere die Berliner Gruppe wächst in enormem Tempo und Deutschland ist nach der QS Heimat Amerika bereits das Land, mit dem größten Interesse am Austausch über persönliche Daten. Dieses Momentum möchten wir beibehalten und freuen uns über viele spannende Aktivitäten im Jahr 2015. Zur weiteren Entwicklung von Self-Tracking haben wir auch Gary Wolf, Co-Founder der Quantified Self Labs befragt.
QS-DE: Hallo Gary, was hoffst Du welchen Beitrag die QS Community zu der Zukunft des Self-Trackings leisten wird?
Gary Wolf: Ich hoffe dass die Werte und Methoden die wir in den Quantified Self Gruppen sehen, andere Menschen bei der zunehmenden Verbreitung von Self-Tracking beeinflussen. Wichtige Ziele sind der persönliche Zugang zu persönlichen Daten, die Offenheit und die gemeinschaftliche Entwicklung neuer Ansätze, wie wir Wissen erzeugen.
QS-DE: Was sind für Dich persönlich die größten Probleme rund im die Nutzung persönlicher Daten und wie könnten sie gelöst werden?
Gary Wolf: Das größte Problem für mich ist, das die Anbieter und Administratoren von Self-Trecking Tools den persönlichen Wert der Daten oft nicht ernst nehmen. Sie sehen Daten als ein Mittel zur Kontrolle und Effektivitätssteigerung, nicht aber als Medium zur Selbst-Erkenntnis, Selbstbehandlung und Selbstentfaltung. Zum Beispiel erlauben noch immer viele Self-Tracking Tools ihren Nutzern nicht, auf ihre eigenen Daten zuzugreifen. Ein einfaches Commitment zum Datenexport zur persönlichen Nutzung wäre ein großer, sehr positiver Schritt.
QS-DE: Ein guter Schritt in diese Richtung ist die QS Access App, mit welcher iOS-Nutzer ihre HealthKit Daten herunterladen können. Danke dass Ihr diese für die Community entwickelt habt. Spannend für die QS-Enthusiasten ist auch das Buch an dem Du arbeitetest. Gibt es hierzu schon konkrete Informationen?
Gary Wolf: Ich arbeite an einem Buch über die Bedeutung und den Wert des Self-Trackings. Dieses Buch heißt „The Quantified Self“ und soll im Laufe des Jahres veröffentlicht werden.
QS-DE: Danke, wir sind gespannt.
Den Nutzen von Self-Tracking für Eure Neujahrs-Vorsätze könnt ihr übrigens schon in einigen Tagen beim QS Meetup in München oder jederzeit in unserer Gruppe auf Facebook diskutieren. Außerdem wünschen wir Euch natürlich viel Erfolg bei Euren Zielen und ein tolles Jahr 2015!

Die Quantified Self Europa Konferenz

Am 11. / 12. Mai trafen sich 280 Quantified Self-Enthusiasten aus der ganzen Welt für zwei Tage in Amsterdam zur QS Europe Conference 2013. Mit mehr als 100 Referenten unter den 280 Gästen war die Quantified Self Konferenz wie schon in der Vergangenheit sehr partizipativ und alle nur erdenklichen Themen rund um Köper, Psyche, Kognition und Verhalten waren vertreten. Gary Wolf eröffnete am Samstag morgen mit einer Keynote zum Thema Gefühle und Emotionen, zu der auch Robin Barooah and Jon Cousins, der Gründer von Moodscope beitrugen. 38% der Europäer, so Gary Wolf, litten unter emotionalen Problemen, weshalb es wichtig sei, das schwer fass- und messbaren Thema besser zu verstehen. Wenn die Keynote auch keine absoluten Antworten zum Umgang mit Emotionen liefern konnte, gaben Robin und Jon sehr persönliche Einblicke in ihrem Umgang mit emotionalen Schwierigkeiten und trugen mit zur offenen Atmosphäre der Konferenz bei.

QuantifiedSelfKonferenz Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt lag beim Thema Lifelogging welches durch die noch in diesem Jahr bevorstehende Markteinführung Mainstream-tauglicher Lifelogging-Kameras und -Technologien durch Anbieter wie Autographer, Memoto aber auch Google Glass an Aktualität gewinnt. Cathal Gurren, selbst seit 7 Jahren als Lifelogger mit Kamera um den Hals unterwegs, berichtete eindrücklich über seine Erfahrungen und Gewohnheiten beim Aufzeichnen von Daten. Im Gegensatz zum Experiment- und Lösungsbezogenen Sammeln gezielter Informationen bei Quantified Self Projekten gehe es beim Lifelogging darum, möglichst viele Daten aufzuzeichnen um sie verfügbar zu haben, wenn zukünftige Analysemethoden neue Anwendungen ermöglichen. Das Phänomen Lifelogging wurde mit einem Prodtotpyen der Memoto Kamera von einer Versuchsgruppe auch in der Praxis erprobt und in einer Plenumsdiskussion betrachtet. Dabei wurde insbesondere auch der Interessenkonflikt zwischen dem Erzeuger eines Lifeloggs und den von ihm fotografierten Mitmenschen diskutiert, welche häufig nicht wünschen in einem zufälligen Moment von Freunden oder auch von Fremden fotografiert zu werden. Gary Wolf wies in diesem Kontext auch darauf hin, wie wichtig es sei, die durch technologischen Fortschritt entstehende Möglichkeiten kritisch zu reflektieren und als Early Adapter den kulturellen Umgang unserer Gesellschaft mit neuen Technologien aktiv mitzugestalten.

LeadershipMeetingNeben zwei inhaltlich sehr spannenden Tagen habe ich mich auch sehr darüber gefreut, meine Co-Organisatoren aus Aachen, Berlin, Essen, Hamburg, Köln, München und Stuttgart zu sehen aber auch einige neue QS Interessierte aus dem Deutsch-sprachigen Raum kennenzulernen. Wie ich in Amsterdam erfahren habe, wird es auch bald in Wien eine Quantified Self Gruppe geben. Sobald es losgeht gibt’s hier weitere Informationen.

Quantified Self Meetups – Eine Chance zum Lernen

Die Quantified Self Community ist ein Platz für Menschen, die sich selbst analytisch Beobachten und Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen teilen und austauschen möchten. Weltweit finden die Treffen der Community in 50 Städten statt, wobei insbesondere in Amerika, England, Frankreich und Holland eine aktive Kultur entstanden ist. Bei den Quantified Self Meetups treffen sich Menschen um über Erfahrungen, Projekte und Tools zu berichten und sich zu vernetzen. Die Präsentationen der Teilnehmer werden häufig auf Video aufgezeichnet und in der Quantified Self Gruppe auf der Videoplattform Vimeo veröffentlicht. Einige der interessantesten Videos stellen wir hier vor.

Gary Wolf ist Co-Founder der Quantifed Self Labs. In seinem Show & Tell beim Meetup im Silicon Valley spricht er darüber, wie seine jahrelange Meditationspraxis mit seinem Wohlbefunden verbunden ist, und wie Quantified Self zu besseren Lösungen führen kann.

Robert Craig hält den Rekord für die höchste, an einem Tag gewonnene Summe bei der amerikanischen Quiz Sendung Jeopardy. Seine Vorbereitung führte er mit einer selbstentwickelten Software durch, welche ihm einen effizienten Aufbau des notwendigen Wissens erlaubt. Beim New Yorker Meetup beschreibt er die Architektur der Quiz Sendung und wie er seinen Lernprozess methodisch optimiert hat.

Wesentliche Merkmale von Quantified Self sind Motivation und Verhaltensänderung. Vielen Menschen fällt es jedoch schwer, sich neue, gesunde Verhaltensweisen anzueignen. Nick Frocker gibt einen Einblick, was er beim Einüben der regelmäßigen Pflege seiner Zähne mit Zahnseide über Motivation und Verhaltenänderung gelernt hat.

Die Quantified Self Community hält mittlerweile auch in einigen Deutschen Städten Meetups. Besuchen Sie uns, um mehr über die Chancen der analytischen Selbstbeobachtung zur Steigerung Ihrer Lebensqualität zu erfahren.