Zielgerichtete Gewichtsreduktion, ein Selbstversuch

Bereits in der Vergangenheit habe ich mit zielgerichteter Gewichtsreduktion experimentiert. Dies war jedoch mit größerem Aufwand verbunden, was ich in meinem Blog beschrieben habe. Mit der von mir aktuell genutzten Lösung von Schrittzähler und W-Lan Waage als Motivationsplattform, ist das Vorhaben einen gezielten Gewichtsverlust herbei zu führen ein ganzes Stück einfacher geworden. Erforderlich ist zwar die exakte Dokumentation der täglichen Nahrung, welche mit den Funktionen des Fitbits jedoch praktikabel umsetzbar ist.

Für die praktische Realisierung meines Gewichtsziels gehe ich folgendermaßen vor: Im Dashboard des Fitbits habe ich mein angestrebtes Zielgewicht festgelegt. Zusätzlich gibt es die Wahl zwischen drei verschiedenen „Intensitäten“ d.h. der Höhe der täglichen Differenz zwischen Kalorienaufnahme und Zufuhr. Gewählt habe ich hier den moderaten (mittleren) Wert von 500kcal. Aus aktuellem Gewicht sowie der festgelegten Differenz ergab sich ein Zieltermin zu welchen das Zielgewicht erreicht werden soll. Das nachfolgende Diagramm zeigt den Verlauf dieser Differenz bis zum heutigen Tage an.

SOLL/IST des täglichen kcal-Verlaufs

(Anmerkung zur Grafik: Den Fitbit habe ich erst kurz nach dem Start dieses Projektes bekommen. Daher die „Anlaufschwierigkeiten“ der Graphen)

 

 

Der Beeminder „Diagrammdienst“ wurde mit den gewonnenen Eckdaten des Projekts gefüttert und gab als Produkt ein Diagramm aus, in welchem ein fest definierter Korridor für den vorgegebenen Gewichtsverlauf abgebildet wurde. Neben Fitbit und Beeminder erleichtert die WiFi Waage die automatisierte Datenerhebung und Verarbeitung, da diese ihre Daten nach dem morgendlichen wiegen an Beeminder überträgt.

Gewichtsverlauf im Beeminderdiagramm

Das Diagramm zeigt den Verlauf der Gewichtskurve (rote Linie), welche aus den einzelnen Messpunkten (grün = unterhalb, blau innerhalb des SOLL-Bereichs). Die kritische Schwelle ist mit den orangenen Strichen gekennzeichnet.

Jeden Morgen nach dem Wiegen erhalte ich zusätzlich eine Mail von Beeminder, der mir eine Liste der letzten Werte sowie den Hinweis ob ich im Soll oder sogar darunter bin mitteilt. Dieser Mechanismus ist durch die Verbindung von Beeminder und Withingsaccount möglich die ihre Daten austauschen. Zwar zeigen sowohl Fitbit als auch natürlich die Withingsplattform den Gewichtsverlauf an, doch ist die Visualisierung der Daten bei Beeminder ansprechender und mit der integrierten Sollvorgabe äußerst Zweckmäßig.

Jede Mahlzeit wird entweder am PC oder direkt mit dem Smartphone mit der Fitbitapp dokumentiert. Zurzeit steht eine englische Nahrungsmitteldatenbank zur Verfügung, die durch eigene Einträge ergänzt werden kann. Es muss nur das gewünschte Lebensmittel ausgewählt und die Menge sowie die Mahlzeit zu der es gegessen wurde angegeben werden.
Nach dem der Fitbit mit dem Onlineprofil synchronisiert worden ist, stehen einem auch auf dem Smartphone die Information direkt zur Verfügung. Über ein Tachodiagramm sieht man wie der aktuelle Stand der geplanten Energieaufnahme ist.

Fitbit Aufnahme/Verbrauch an kcal des aktuellen Tages

Nach rund 70 Tagen der Datenerhebung und Auswertung zeichnen sich schon erste (postive) Verhaltensänderungen ab. So habe ich z.B. das Auto gegen die Bahn + den Fußweg zur Arbeitsstelle getauscht und versuche jeweils in der Mittagspause einen Spaziergang zu machen. Weiter kommt langsam wieder eine Routine in das Lauftraining, welches weitere Schritte aufs Schrittekonto bringt. So wurden aus ehemals durchschnittlich 5.000-7.000, an normalen Tagen 10.000-12.000 Schritte. Wenn dann noch eine kleinere oder größere Laufrunde dazukommt sind es schnell mal 20 bis 25.000.

Gegenüberstellung von unterschiedlichen Fitbit-Schritte Diagrammen

Mir fällt es leicht mich an mein Soll zu halten und ich erreiche die vorgegebenen Werte fast immer. Nie habe ich das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen, schließlich lassen sich Ausreißer beim Essen gut durch körperliche Aktivität ausgleichen. Sicherlich strebe ich im Normalfall eine gesunde und ausgewogene Ernährung an, doch z.B. an Trainingstagen, kann ich mir ruhig mal ein Franzbrötchen mit extra Nutella gönnen und bin trotzdem genau im Soll. In der Vergangenheit war ich in Bezug auf die Ernährung oftmals viel strikter und konnte dies dann sicherlich nicht so konsequent durchhalten wie ich es jetzt mache. Die für mich mittlerweile gewohnten täglichen Abläufe geben mir nur zum Teil das Gefühl gerade eine spezielle experimentelle Phase „durchzumachen“, deren Ende ich herbeisehne. Vielmehr habe ich mich an das regelmäßige Wiegen und Eintragen gewöhnt und erfreue mich über die stetige wie gewünscht erzielte Gewichtsreduktion.

Laut Fitbit bzw. Beeminder-Vorgabe sind es noch 93 Tage zum angestrebten Zielgewicht. Ich bin optimistisch, dass ich es zu diesem Zeitpunkt oder vielleicht sogar schon vorher erreicht habe. Im Anschluss steht bereits das nächste Projekt fest – im Januar 2013 beginnt der 12-wöchige Marathontrainingsplan.

Quantified Self Events im Mai – Die Szene vernetzt sich

Im Mai fanden mehrere Events statt, bei denen sich die Deutschen Self Tracker und Life Hacker vernetzt haben. Auch die Bekanntheit unseres Netzwerks konnten wir hierdurch steigern. So wurde das Thema Quantified Self auf der diesjährigen re:publica in mehreren Beiträgen sowie einer Podiumsdiskussion von verschiedenen Seiten betrachtet.

Ebenfalls in Berlin fand das Event Digitale Selbstvermessung der Hybridplattform unter Beteiligung der technischen Universität Berlin und der Berliner Universität der Künste (UdK) statt. Mehrere Referenten stellten dem Publikum aus Interessierten wie auch erfahrenen Self Trackern Themen wie Feedback Loops, technologische Trends in der Sensortechnik oder künstlerische Visualisierung von Vitalitätswerten dar. Außerdem wurden in verschiedenen Worshops die Grundlagen der Messung von Vitalitätswerten mit Arduino vermittelt und die Auswirkungen der vollständigen Offenlegung aller persönlichen Informationen in einem Rollenspiel simuliert.

In München fand das 3. Quantified Self Meetup statt und erreichte mit 25 Teilnehmern die bisher höchste Besucherzahl. Unter den Gästen waren auch drei Bochumer Sozialwissenschaftler welche die Münchner Self Tracker für Ihre Forschungsarbeit zu Quantified Self  befragten. Ralf Werner, verantwortlich für die Marke Fitbit in der DACH Region, stattete der Münchner Community einen Besuch ab und stellte Fitbit‘s Produkte und deren Beitrag zur Reduktion der Übergewichtigkeit vor. Seiner Meinung nach könne die Deutsche Bevölkerung mit ihrer europaweit höchsten Rate an Übergewichtigen von dem motivierenden und gesundheitsförderlichen Effekt von Trackingprodukten enorm profitieren.

Auch die Anwender und Self Tracker stellten Ihre persönlichen Erfahrungen mit Ernährungstagebüchern, der Messung radioaktiver Strahlung oder dem Aufbau von Internet of Things Anwendungen mit Homeservern und Smartphones vor. Ein besonderes Highlight an diesem Abend war die Möglichkeit seine Körperstruktur mit einem Bioimpedanz-Analysegerät zu vermessen. Insbesondere die Fitnessbegeisterten aus der Münchner Quantified Self Community nutzten diese Gelegenheit und diskutierten mit Frau Jung, der Geschäftsführerin des Herstellers Juwell Medical über Ihre Messwerte. Insgesamt 4 Stunden Programm und Networking nutzten die Teilnehmer zum Austausch ihres Know Hows und zur Planung neuer Projekte bis zum nächsten Treffen am 4. Juli.

Podiumsdiskussion zu Quantified Self auf der re:publica 2012

Auf der diesjährigen re:publica wurde das Thema Quantified Self in mehreren Beiträgen  von verschiedenen Seiten betrachtet. Im nachfolgenden Video sehen Sie die Referenten des re:health Tracks Bastian GreshakeBruno KollhorstKora KimpelFlorian Schumacher und Tobias Neisecke bei der Podiumsdiskussion über Quantified Self.