Selftrackingpraxis: Gewichts- und Körperfett-Monitoring

Für manche mag das Thema regelmäßiges Wiegen ein Graus sein. Der begeisterte Selftracker bekommt dagegen leuchtende Augen bei dem Gedanke an Daten, welche über Monate- vielleicht Jahre gesammelt worden sind. Die Datenerhebung von Körperwerten, zu denen neben dem Gewicht auch noch ergänzend der Körperfettanteil sowie verschiedene Körpermaße, vielleicht auch Fotos aufgezeichnet werden, bietet eine vielschichtige Datenbasis für die eigenen Analysen.

Keine Datenerhebung bedeutet Blindflug

Ambitionierte oder auch nur ganz gemäßigte körperliche Ziele verfolgen und dabei auf Waage (oder auch ein Maßband) zu verzichten ist wie wie Jumbo fliegen ohne Amaturen/Anzeigen im Cockpit. Nur mit dem Einsatz von dem Zweck angepassten Messgeräten (Gewichtsabnahme -> Waage) ist ein stetiger Abgleich von SOLL und IST-Werten möglich. Mit diesem Mechanismus ist man in die Lage versetzt schon bei den ersten Anzeichen von “Kursabweichungen” moderat gegenzusteuern. Das sprichwörtliche Kind muss gar nicht erst in den Brunnen fallen ehe man aktiv wird. Dein Freund die Waage ist quasi Navigationsgerät auf dem Weg zu persönlichen Zielen.

Daten vs. gesundes Körpergefühl

Zum Teil wird die gezielte Datenerhebung als Gegenkonzept zur Ausbildung eines gesunden Körpergefühls gesehen. Daten und Zahlen verdrängen die innere Stimme? Falsch! Es geht viel mehr um die Symbiose von Gefühlen und Fakten. Ein durch konkrete Informationen unterstütztes Selbst- und Körpergefühl. Der Selftracker huldigt also nicht den Daten (alleine) um der subjektive Wahrnehmung abzuschwören.

Tägliches Wiegen beugt Fehlinterpretationen vor

Angenommen man wiegt sich sehr selten, höchstens alle zig Monate einmal. Dann ermittelt man Werte, welche quasi in der Luft hängen und deren Aussagekraft man bezweifeln muss. War es ggf. eine Fehlmessung? War es (bei einer Frau) vielleicht ein Tag im monatlichen Zyklus an welchem der Körper einfach mehr Wasser einlagert? Die Gründe können vielfältig sein und führen unter Umständen zu Ausreißern einer sonst vielleicht gemäßigten Gewichtskurve.

Wie ich persönlich die Sache mit dem Wiegen umsetze

Aus den geschilderten Gründen strebe ich an, möglichst an vielen Tagen in der Woche morgens kurz auf die Waage zu gehen. Selbst wenn es mal nicht passt, habe ich doch für gewöhnlich mindestens 3 bis 5 Messpunkte pro Woche. Auf einen Monat gesehen, zeigt dies schon einmal eine recht konkrete Entwicklung auf. Messfehler die auffällig von dem Mittelwert abweichen, kann ich auf diesem Weg quasi ignorieren und konzentriere mich mehr auf den Trend im zeitlichen Verlauf. Mit einer Waage mit WIFI Verbindung werden meine Körperdaten direkt ohne manuelles Zutun in einen Onlineaccount übertragen. Früher habe ich meine Werte in einer lokal gespeicherten Exceldatei gespeichert. Heute habe ich mich jedoch ganz bewusst für eine Onlinelösung entschieden, deren Nutzungsbedingungen und Datenschutzangaben ich mir initial angesehen habe. Der Komfort gerade auch durch den mobilen Zugriff via Smartphone App, das einfache Durchstöbern meiner Daten überwiegt auch über den ggf. vorhandenen Bedenken das es am Ende nicht 100% sicher ist. Wobei, was ist das schon, wenn ich nicht alternativ wieder auf Zettel und Stift in meiner Schublade zurückgreifen möchte?

Video zum Thema Wiegen

Zu dem Thema tägliches Wiegen habe ich ein Video aufgenommen. In diesem gehe ich u.a. auf Contra Argumente ein und erkläre was aus meiner Sicht von diesen zu halten ist.


Wie stehst du zum Thema wiegen?

Nun hast du einen Eindruck bekommen wie ich über regelmäßiges Wiegen denke. Wie sieht es bei dir aus, stimmst du mir zu oder bist du ganz anderer Meinung? Ich freue mich über deinen Kommentar.

Dieser Beitrag ist zu erst unter dem Titel „Warum ich mich täglich wiege und was es auch dir nützt“ auf lifesetter.de erschienen.

Was wir lesen

Mittlerweile sind auch in Deutschland einige Quantified Self Blogs entstanden auf die wir Euch aufmerksam machen wollen:

Einen Überblick zu Quantified Self gibt Arne Tensfeldt, Gründer von Quantified Self Hamburg und Autor der Website Was ist Quantified Sellf? Er betreibt den Blog 1k Dinge Guru und schreibt über allerlei (Freizeit-) Aktivitäten, Ernährungsexperimente uvm.

Christop Koch, Autor der Buchs „Die Vermessung meiner Welt“ schreibt neben Artikeln zu QS in der Presse auch den Self-Tracking Blog mit Berichten zu Quantified Self Meetups und der Self-Tracking Link-Schau.

Das Team des Münchner QS und Big Data Startups Datarella veröffentlicht regelmäßig frische Artikel zu Themen rund um Wearables und (Self-) Tracking auf dem Datarella QS Blog.

Selbst veröffentliche ich regelmäßig Produkttests und Self-Tracking-Tipps auf meiner Website igrowdigital.com, dem ersten Deutschsprachigen Blog zu Themen rund um Quantified Self.

Für alle die gerne englische Artikel lesen lohnt sich ein Blick auf die Seite der QS Labs quantifiedself.org und die dort veröffentlichte Linkliste „what we are reading“ die man übrigens auch abonnieren kann.

Regelmäßige News und Diskussionen zu QS findet Ihr auch in unsere Quantified Self Gruppe auf Facebook zu der Ihr herzlich eingeladen seid.

Wenn wir Deinen Blog in dieser Sammlung vergessen haben, dann gib uns gerne Bescheid. Gute Unterhaltung wüschen Florian und das Team von Quantified Self Deutschland.

Review Show&Tell #2 in Hamburg

Quantified-Self-Hamburg-Team-Europe-Archify-AskensioDie Show&Tell Serie der Hamburger Quantified Self Gruppe geht in die nächste Runde. Am 6. Mai direkt nach dem Hamburger Kirchentag trafen sich rund 25 QS Interessierte zu vier spannenden Talks und zum Austausch zwischen Gleichgesinnten. Mit dabei war ein Team von RTL um einen Beitrag über die QS Bewegung zu drehen (Sendetermin wird über Facebook & Google+ kommuniziert).

Nach der Begrüßung durch Dennis (Co-Orga QS Hamburg & Blogger auf Startup-CTO) und einem Dank an die Supporter des Abends (Team Europe, Archify & Askensio) startet Arne Tensfeldt im betahaus Hamburg mit seinem Talk. Arne-TensfeldtThema waren gesammelte Erfahrungen des Timetrackings zur genaueren Betrachtung der eigenen Work-Lifebalance. Exemplarisch stellte er einige der eingesetzten (Android) Apps vor.

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Review Show&Tell #1 in Hamburg

2013-02-18_Quantified Self Hamburg Show&Tell #1 (3)

Der Norden taut auf! Am vergangenen Montag den 18.02.2013 hat das erste Treffen der Hamburger Meetup Gruppe stattgefunden. Für den Start konnten gleich vier Sprecher mit ganz unterschiedlichen Themen gewonnen werden. Etwa 15 Teilnehmer tauschten sich neben den Talks bis spät in der Nacht aus.
Nach Begrüßung und einem Dank an unsere Sponsoren und Unterstützer, berichtet Florian Schumacher (Orga QS Berlin, QS München) vom Ursprung und den Hintergründen der Quantified Self Bewegung. 2013-02-18_Quantified Self Hamburg Show&Tell #1 (1)Weiterhin sprach Florian über Trends bei digitalen Sport- und Gesundheitsprodukten wie der zunehmenden Bildung von Ökosystem, aber auch neue Technologien wie der optischen Pulsmessung. Außerdem berichtete Florian von seiner Erfahrung mit diversen Sensoren zur Aktivitäts- und Schlafmessung die er für seinen Blog getestet hat und von der normativen Wirkung welche die vom jeweiligen Produkt vorgesehenen Regeln und Punktesysteme auf sein Verhalten ausübten. Weiterlesen

Zuwachs im Redaktionsteam

Nach einem knappen Jahr qsdeutschland.de unter meiner Redaktion erhält dieser Blog jetzt Zuwachs. Arne Tensfeldt, (Orga QS Hamburger/Autor der Infoseite: was-ist-quantified-self.de und dem veganen Restaurantverzeichnis VeganFoodie) und Marcia Nißen, welche die Quantified Self Bewegung im Rahmen ihrer Bachelorarbeit am KIT untersucht, werden zukünftig zu diesem Blog beitragen. Hierfür haben wir bereits einige neue Formate in Planung sodass es in Zukunft noch interessanter und abwechslungsreicher wird. Bereits vor kurzem ist Peter Lewis mit einigen Artikeln auf den neuen, Englisch-sprachigen Seiten dieses Blogs gestartet.

Arne, Florian, Marcia und Peter (v.l.n.r.)

Diese bieten Informationen für die internationale, in Deutschland lebende Community für welche wir vor wenigen Tagen in Berlin ein erstes Show & Tell durchgeführt haben. Relevante Artikel werden wir jeweils übersetzen, sodass Sie sowohl auf den Deutsch- wie auch auf den Englisch-sprachigen Seiten bestens informiert bleiben. Gemeinsam mit den erfahrenen Bloggerkollegen Arne, Marcia und Peter freue ich mich auf zahlreiche spannende Artikel. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie auf diesem Blog über Ihre Erfahrung mit Self-Tracking und Quantified Self berichten möchten. Wir veröffentlichen gerne Ihren Beitrag und helfen ggf. beim editieren Ihres Artikels.

Florian Schumacher ist Organisator von Quantified Self Veranstaltungen in Berlin und München. Schumacher berät Unternehmen zu digitalen Sport- und Gesundheitsprodukten und berichtet auf seinem Blog igrowdigital.com über Gesundheit, Technologie und die Nutzung persönlicher Daten.

Zielgerichtete Gewichtsreduktion, ein Selbstversuch

Bereits in der Vergangenheit habe ich mit zielgerichteter Gewichtsreduktion experimentiert. Dies war jedoch mit größerem Aufwand verbunden, was ich in meinem Blog beschrieben habe. Mit der von mir aktuell genutzten Lösung von Schrittzähler und W-Lan Waage als Motivationsplattform, ist das Vorhaben einen gezielten Gewichtsverlust herbei zu führen ein ganzes Stück einfacher geworden. Erforderlich ist zwar die exakte Dokumentation der täglichen Nahrung, welche mit den Funktionen des Fitbits jedoch praktikabel umsetzbar ist.

Für die praktische Realisierung meines Gewichtsziels gehe ich folgendermaßen vor: Im Dashboard des Fitbits habe ich mein angestrebtes Zielgewicht festgelegt. Zusätzlich gibt es die Wahl zwischen drei verschiedenen „Intensitäten“ d.h. der Höhe der täglichen Differenz zwischen Kalorienaufnahme und Zufuhr. Gewählt habe ich hier den moderaten (mittleren) Wert von 500kcal. Aus aktuellem Gewicht sowie der festgelegten Differenz ergab sich ein Zieltermin zu welchen das Zielgewicht erreicht werden soll. Das nachfolgende Diagramm zeigt den Verlauf dieser Differenz bis zum heutigen Tage an.

SOLL/IST des täglichen kcal-Verlaufs

(Anmerkung zur Grafik: Den Fitbit habe ich erst kurz nach dem Start dieses Projektes bekommen. Daher die „Anlaufschwierigkeiten“ der Graphen)

 

 

Der Beeminder „Diagrammdienst“ wurde mit den gewonnenen Eckdaten des Projekts gefüttert und gab als Produkt ein Diagramm aus, in welchem ein fest definierter Korridor für den vorgegebenen Gewichtsverlauf abgebildet wurde. Neben Fitbit und Beeminder erleichtert die WiFi Waage die automatisierte Datenerhebung und Verarbeitung, da diese ihre Daten nach dem morgendlichen wiegen an Beeminder überträgt.

Gewichtsverlauf im Beeminderdiagramm

Das Diagramm zeigt den Verlauf der Gewichtskurve (rote Linie), welche aus den einzelnen Messpunkten (grün = unterhalb, blau innerhalb des SOLL-Bereichs). Die kritische Schwelle ist mit den orangenen Strichen gekennzeichnet.

Jeden Morgen nach dem Wiegen erhalte ich zusätzlich eine Mail von Beeminder, der mir eine Liste der letzten Werte sowie den Hinweis ob ich im Soll oder sogar darunter bin mitteilt. Dieser Mechanismus ist durch die Verbindung von Beeminder und Withingsaccount möglich die ihre Daten austauschen. Zwar zeigen sowohl Fitbit als auch natürlich die Withingsplattform den Gewichtsverlauf an, doch ist die Visualisierung der Daten bei Beeminder ansprechender und mit der integrierten Sollvorgabe äußerst Zweckmäßig.

Jede Mahlzeit wird entweder am PC oder direkt mit dem Smartphone mit der Fitbitapp dokumentiert. Zurzeit steht eine englische Nahrungsmitteldatenbank zur Verfügung, die durch eigene Einträge ergänzt werden kann. Es muss nur das gewünschte Lebensmittel ausgewählt und die Menge sowie die Mahlzeit zu der es gegessen wurde angegeben werden.
Nach dem der Fitbit mit dem Onlineprofil synchronisiert worden ist, stehen einem auch auf dem Smartphone die Information direkt zur Verfügung. Über ein Tachodiagramm sieht man wie der aktuelle Stand der geplanten Energieaufnahme ist.

Fitbit Aufnahme/Verbrauch an kcal des aktuellen Tages

Nach rund 70 Tagen der Datenerhebung und Auswertung zeichnen sich schon erste (postive) Verhaltensänderungen ab. So habe ich z.B. das Auto gegen die Bahn + den Fußweg zur Arbeitsstelle getauscht und versuche jeweils in der Mittagspause einen Spaziergang zu machen. Weiter kommt langsam wieder eine Routine in das Lauftraining, welches weitere Schritte aufs Schrittekonto bringt. So wurden aus ehemals durchschnittlich 5.000-7.000, an normalen Tagen 10.000-12.000 Schritte. Wenn dann noch eine kleinere oder größere Laufrunde dazukommt sind es schnell mal 20 bis 25.000.

Gegenüberstellung von unterschiedlichen Fitbit-Schritte Diagrammen

Mir fällt es leicht mich an mein Soll zu halten und ich erreiche die vorgegebenen Werte fast immer. Nie habe ich das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen, schließlich lassen sich Ausreißer beim Essen gut durch körperliche Aktivität ausgleichen. Sicherlich strebe ich im Normalfall eine gesunde und ausgewogene Ernährung an, doch z.B. an Trainingstagen, kann ich mir ruhig mal ein Franzbrötchen mit extra Nutella gönnen und bin trotzdem genau im Soll. In der Vergangenheit war ich in Bezug auf die Ernährung oftmals viel strikter und konnte dies dann sicherlich nicht so konsequent durchhalten wie ich es jetzt mache. Die für mich mittlerweile gewohnten täglichen Abläufe geben mir nur zum Teil das Gefühl gerade eine spezielle experimentelle Phase „durchzumachen“, deren Ende ich herbeisehne. Vielmehr habe ich mich an das regelmäßige Wiegen und Eintragen gewöhnt und erfreue mich über die stetige wie gewünscht erzielte Gewichtsreduktion.

Laut Fitbit bzw. Beeminder-Vorgabe sind es noch 93 Tage zum angestrebten Zielgewicht. Ich bin optimistisch, dass ich es zu diesem Zeitpunkt oder vielleicht sogar schon vorher erreicht habe. Im Anschluss steht bereits das nächste Projekt fest – im Januar 2013 beginnt der 12-wöchige Marathontrainingsplan.