Spielarten des Selbst-Trackings

(Übersetzung des engl. Originals Types of Self-Tracking von Peter Lewis)

Wie viele von uns, fand ich meinen Weg zu Quantified Self (QS) „von unten nach oben“ – das heißt, ich habe durch mein Interesse am Selbst-Tracking (mit Hilfe von Spaced Repetition Software) die vielfältigen Möglichkeiten innerhalb QS Bewegung kennengelernt. Seit diesem Zeitpunkt und insbesondere durch die Organisation unseres ersten Show&Tell in Berlin, habe ich eine Menge mehr über die Selbsthilfe-Tracking Motivation der Menschen sowie QS selbst gelernt.

Meine eigene Liste der unterschiedlichen Spielarten des Selbst-Trackings sowie einige Beispiele findet ihr hier in dieser (sicher nicht allumfassenden) Liste. Die vorgestellten Ausprägungen von Zielsetzungen sind häufig sehr unterschiedlicher Natur, an anderen Stellen gibt es häufig Überschneidungen der Inhalte.

Im Quantified Self Umfeld gibt es Zielesetzungen die sind…

1. …motivationsbestimmt: Sowohl das Ziel, als auch der Weg dorthin sind bekannt. Verfolgt wird eine Entwicklung durch gezielte Dokumentation. Der Fokus liegt dabei oft auf der Integration von sozialen Funktionen sowie der Bildung von Gewohnheiten. Es können jedoch auch komplexere  Mechanismen vorliegen. Phil Libin (von Evernote) verlor z.B. rund 13kg nur durch die Dokumentation seines Gewicht mit Hilfe von Excel-Tabellen, ohne dabei gezielte oder willendlich Änderungen an seiner Ernährung oder täglichen Gewohnheiten vorzunehmen. Bekannte Produkte wie RunKeeper oder Nike+ bedienen sich dieser Wirkmechanismen und finden ihre Anwendung in Sport und Fitness.

2. …unterstützend: Wie bei der motivationbestimmten Vorgehensweise, besitzt die Unterstützende ebenfalls ein festes Ziel sowie die klare Vorstellung des Wegs zur Zielerreichung. Die Quantified Self Methodik d.h. das gezielte Tracking der Daten, sowie die Auswertung können entweder selbst der erfolgsbestimmende Faktor sein, oder maßgeblich zur Effizienzsteigerung des Vorhabens beitragen. Als Beispiel dient hier z.B. die Verwendung von SRS-Softwaresystemen und anderen Dokumentationswerkzeugen, mit dessen Hilfe sich unter anderem chronischen Erkrankungen Quantifizieren lassen. Exemplarisch sei hier MySugr erwähnt dessen Anwendungsbereich die Erfasssung und Dokumentation der Blutzuckerwerte von Diabeteserkrankten ist

3. ..experimentell: Das Ziel ist zwar klar, jedoch sind der Weg und die Methoden dorthin unbekannt. Über das Tracking werden potenzielle Methoden verglichen und können die Grundlage für für neue Lösungsansätze bilden. Eine Koryphäe der Selbstversuche ist Seth Roberts, dessen Blog ich schon seit Jahren lese. Ein guter Einstieg in seine Veröffentlichungen ist meiner Meinung nach ein Beitrag aus dem Jahr 2004 oder dieser Buchauszug.

4. …dokumentativ: Ohne ein spezifisches Ziel wird die lückenlose und vollständige Archivierung von (Lebens)Daten angestrebt. Sie ermöglichen so z.B. einen unvoreingenommener Blick auf den Verlauf des eigenen Lebens und den Verlauf von Krankheiten. Die Dokumentation kann sowohl die Quelle für die Entwicklung neuer Ziele und Methoden, jedoch auch der Selbstzweck auf dem Weg zur Entdeckung des eigenen Ichs sein. Das bekannteste Beispiel hierfür ist wohl das Everyday Video von Noah Kalina auf Youtube, welches durch seine virale Verbreitung und Populärität in einer Parodie bei den Simpsons verewigt worden ist. Ein aktuelles Beispiel aus dem QS Umfeld ist die kürzlich veröffentlichte Präsentation von Sharla Sava.  In dieser stellt sie ihre Erkenntnisse und Erfahrung während des Fotoprojekts dar.

5. …kollaborativ: Die Daten des Einzelnen besitzen nur eine begrenzte Aussagekraft. Der eigentliche Mehrwert der Informationen entsteht jedoch durch die wissenschaftlich orientierte Aggregation d.h. Vereinigung vieler Datensätze. Die Motivation bei so etwas mitzuwirken kann von unterschiedlicher Natur sein. Die Einen erweitern als Freiwillige den Datenpool, Andere haben direkte persönliche Interessen an dem Thema. Das openSNP Projekt ist ein Beispiel für die Möglichkeit der Datenkollaboration. Dieses wurde innerhalb eines Interviews auf der amerikanische Webseite der QS Bewegung vorgestellt.

Eine klare Zuordnung der Tracking Tools und Methoden ist in der Praxis häufig nicht gegeben. Die individuellen Wege zum eigenen Ziel entstehen oft aus der Mischung von unterschiedlicher Ausprägungen von Lösungsmöglichkeiten. Tim Ferriss stellt in seiner Literatur, die sich mit dem Phänomen Quantified Self auseinandersetzt, häufig Experimente aus den ersten drei Bereichen dar. Produktivitäts-Tools und Systeme mit diesem Ansatz wie RescureTimeGetting Things Done und viele weitere basieren ebenfalls nicht nur auf einer der Kategorien.

Kollaborative- sowie experimentelle Vorgehensweisen überschneiden sich ebenfalls häufig und sind z.B. in Netzwerken wie CureTogether oder z.B. auch in den zusammengeführten Datensammlungen zu finden, die aus den populären Ernährungsexperimenten nach Seth Roberts Vorbild stammen.

In Austausch mit anderen Self-Quantifiern, habe ich bemerkt, dass viele von uns häufig sehr unterschiedliche und individuelle Zielsetzungen haben. Als Co-Organisator des Berliner Meetups ist es eine besondere Herausforderung bei den Präsentationen und Demos ein Gleichgewicht zwischen den individuellen Self-Tracking Zielen der Besucher herzustellen. Dabei entdecke ich bei Quantified Self auch ohne allgemein gültige Zielsetzungen, eine Vielzahl an Zielen und Lösungsansätzen, die sich ihn ihrer Unterschiedlichkeit häufig ergänzen.

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