QS Berlin Show & Tell #6

Vor kurzem fand das sechste “Show & Tell” der Berliner QS-Gruppe statt, bei dem es drei interessante Vorträge zu hören gab.

Den Anfang machte Remco Vrielink, der über Integrität sprach und erzählte, wie er sich täglich Dinge vornimmt und am Ende des Tages analysiert, wie viele er davon tatsächlich geschafft bzw. erledigt hat. Beides erfasst er in einem normalen Notizbuch, den Anteil der erfüllten “Commitments” misst Remco in Prozent. Ein spannender Ansatz, denn allzu häufig ist die tägliche To-Do-Liste, die ja vermutlich beinahe jeder auf eine Art führt, etwas, bei dem man manche unliebsamen Aufgaben von einem Tag zum nächsten schiebt. Zumindest wird selten analysiert, was und wie viel man von seinen Vorsätzen erledigt und umsetzt – geschweige denn, womit dieser Faktor zusammenhängen könnte.

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Mit dem Bereich Produktivität beschäftigte sich auch Brian Fabian Crain, den ich zu diesem Thema ja auch in dem brand-eins-Artikel über QS  porträtiert habe. Spannend fand ich vor allem Brians Gedanken über das Thema Anreize: Zu häufig messen wir bei Produktivität nur den Input, wie viel Zeit wir in etwas investieren – anstatt den Output zu messen, also was am Ende tatsächlich herauskommt, wie viel erledigt wurde. Das liegt u.a. daran, dass Input (i.d.R. Zeit) einfacher zu messen ist als Output (Menge vs Qualität, etc.).

Brian stellte drei verschiedene Ansätze vor, mit denen er bisher seine Produktivität gemessen hat:

1) Marc Andressens Methode: Jeden Abend auf eine Karteikarte 3-5 wichtige und große Dinge schreiben, die man am nächsten Tag erledigen will. Diese abarbeiten und auf der Rückseite der Karte vermerken, was man noch an Dingen erledigt hat, die nicht auf der Karte standen. Der  Vorteil: Die Methode misst Output anstatt (wie beispielsweise RescueTime) nur Input in Form von verbrachter Zeit zu tracken.

2) Die Pomodoro-Technik: Arbeit in 25-Minuten-Blöcke unterteilen, an deren Ende man erfasst, woran und wie produktiv man gearbeitet hat. Hat den Nachteil, dass man Input (Zeitaufwand) statt Output (Ergebnis) misst – wobei sich das durch die qualititative Bewertung WIE produktiv man war, ein wenig relativiert.

3) Cal Newports Methode: Der Mathematiker erfasst nur die Zeit, die er an wirklich schwierigen Aufgaben (er nennt es “deep work”) arbeitet. Da kommen nur wenige Stunden pro Woche zusammen, dafür legt er sehr strenge Kriterien an, was als “deep work” gilt. Das ganze Tagesgeschäft (Klausuren bewerten, Vorlesungen vorbereiten) erfasst er beispielsweise nicht. Brian nannte das Modell einen “interessanten Hybriden”, bleibt aber momentan bei der Pomodoro-Methode, die er inzwischen seit 17 Monaten benutzt.

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Die Veranstaltung war gut besucht und auch das Medieninteresse am Thema scheint ungebrochen, diverse Journalisten waren anwesend, machten sich Notizen und führten anschließend Interviews, ebenso wie ein Kamerateam von RTL Extra, die einen größeren Beitrag über das Thema Self-Tracking planen.

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Der dritte Vortrag des Abends kam vom Organisator Florian Schumacher selbst. “Tracking my life while celebrating it”, war der Titel und es war sicher der persönlichste Vortrag des Abends. Florian hat sich für 2014 vorgenommen, sein Leben in 12 Bereichen zu optimieren. Für das erste Quartal waren die Bereiche Ernährung, Sport und Produktivität dran.

Die Hacks, die Florian anwendet, waren interessant und reichen von einer gesunden aber bewusst sehr unaufwändigen Ernährung (morgens nur Kaffee mit Butter, also die Dave Asprey “Bulletproof”-Methode, mittags ein grüner Smoothie) bis zu einer zeitgesteuerten Lichtanlage in seinem Zimmer, die ihn automatisch zu einem Mittagsschlaf und zu regelmäßigen Bettzeiten konditioniert.

Spannend fand ich hier vor allem den Ansatz, so viele Entscheidungen wie möglich zu automatisieren, zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Er müsse nicht mehr jeden Morgen überlegen, ob er genug Zeit habe, zum Sport zu gehen, es sei ein fixer Termin, ebenso wie der Mittagsschlaf oder andere Dinge. Stichwort Decision Fatigue, je weniger man jedes Mal wieder über gewisse Dinge nachdenken muss, umso besser die Chancen, sie dauerhaft durchzuziehen.

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Insgesamt war es wieder ein sehr interessanter Abend. Nach den Vorträgen gab es noch ein paar gute Beiträge am Open Mike, ebenso wie spannende Gespräche untereinander. Ich freue mich schon auf die nächste “Show & Tell”-Veranstaltung. Zuerst aber geht es nach Amsterdam!

Dieser Artikel ist zuerst auf Self-Tracking-Blog erschienen. Vielen Dank an Christoph Koch (Journalist und Autor von „Die Vermessung meiner Welt„) für den Bericht.

 

Testosteron-Tracking und Ernährung

Kratzwunden, die über Nacht heilen, erhöhter Blickkontakt mit dem vorbeiziehenden, weiblichen Geschlecht und eine hormonelle Aura, die alle Personen in einem drei Meter Umkreis überwältigt. So ähnlich beschreibt Tim Ferriss den Effekt der Verdreifachung seines Testosteronspiegels in seinem Buch “Der 4-Stunden-Körper.” Die Aggression, die schnelle Wundheilung und die übermäßige Kraft und Energie erinnern durchaus auch an den behaarten Mutanten in der X-Men Serie. In seinem zweiten Show & Tell ist Maximilian Gotzler diesmal der Macht des wichtigsten männlichen Geschlechtshormons auf den Grund gegangen. In folgendem Video könnt ihr Max’ unterhaltsamen Vortrag nochmals miterleben und mehr über die biologischen Mechanismen und Funktionen von Testosteron erfahren. Darüber hinaus erfahrt ihr, wie man sein Level mit Ernährung verändern kann und wie sich Auswirkungen einer signifikanten Erhöhung tatsächlich zeigen.

Maximilian Gotzler ist ehemaliger Leistungssportler, Unternehmer und langjähriger Self-Tracker. Mit seinem Unternehmen Biotrakr will er Nutzern ermöglichen, Blutwerte einfach zu ermitteln, richtig zu interpretieren und zu optimieren. Twitter: @maxeeegeee, @biotrakr.

Ankündigung der Quantified Self Europakonferenz 2014

Wir freuen uns, bekannt zu geben, dass ihr euch ab sofort für die Konferenz anmelden könnt. Sie findet wieder in Amsterdam statt, diesmal am 10. und 11. Mai , und wird die Quantified Self Anwender, Forscher und Firmen aus aller Welt zusammenbringen.
Dies ist nun schon die sechste Quantified Self Konferenz, die Dritte in Europa. Wenn du ein QS-Nutzer, Designer, Unternehmer oder Forscher bist nutze die Gelegenheit an diesem Wochenende dich mit anderen Self-Trackern auszutauschen und inspirieren zu lassen! Die Konferenz wird praxisnah und interaktiv sein, mit benutzergestalteten Workshops zu den Themen Gesundheit, Stimmung , Datenvisualisierung , Schlaf , Ethik und vielen Weiteren. Es werden einige der besten Vorträge aus QS Show & Tell Meetups aus der ganzen Welt präsentiert, zudem gib es Plenardiskussionen zu aktuellen Themen in den Bereichen Technologie und Kultur der Selbstvermessung.
Die Konferenz ist eine Gelegenheit zu erkunden, wie man persönliche Bedeutung aus Daten gewinnen kann. Auf der QS Konferenz in San Francisco hatten wir einige tolle Beiträge rund um das Thema Daten und Datenvisualisierung. Hier ein Vorgeschmack (auf englisch) davon, was wir auf der Europakonferenz gemeinsam erkunden können.
Wie immer sind alle Teilnehmer dazu eingeladen, ihre eigenen Erkenntnisse zu präsentieren oder eine Breakout-Session zu halten. Beschreibe einfach deinen Themenvorschlag bei der Registrierung. Die genaue Themenauswahl auf die ihr euch freuen könnt wird dann kurz vor der Konferenz bekannt gegeben. Wir hoffen dich in in Amsterdam zu sehen!

Großes Interesse an Self-Tracking

In Amerika ist das Aufzeichnen von Daten zur Gesundheit weit verbreitet. Nach einer im September 2012 veröffentlichten Studie des Pew Research Centers erfassen 69 % der amerikanischen Bevölkerung einen oder mehrere Werte wie Gewicht, Blutdruck oder Blutzucker, zumeist für sich selbst, in vielen Fällen auch für eine Person aus dem persönlichen Umfeld. 21% der amerikanischen Bevölkerung nutzen Apps, Sensoren und Websites um ihre Daten zu speichern und auszuwerten, was im Vergleich zur reinen Messung ohne Aufzeichnung zu einem besseren Bewusstsein im Bezug auf die eigene Gesundheit führt.

Eine Emnid-Umfrage in Deutschland, Frankreich und Großbritannien liefert nun erstmals einen Einblick in das Interesse der Europäer am Self-Tracking. Je Land wurden 1.000 Personen zwischen 14 und 65+ Jahren befragt, welche Aspekte ihres Lebens sie gerne messen würden, um gesünder und bewusster zu Leben. Die Ergebnisse der Studie bestätigen den Eindruck, den wir in der Quantified Self Community schon seit längerem haben: Weit mehr als die Hälfte aller Deutschen und Briten zeigen großes Interesse daran, diverse Aspekte ihres Lebens wie gesundheitliche Indikatoren oder persönliche Finanzen zu analysieren, um besser und bewusster zu leben. Die Franzosen stehen dem Trend zum Self-Tracking etwas skeptischer gegenüber. Hier begeistert sich nur ein knappes Drittel der Befragten dafür.

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Gesundheit, Umwelt, Finanzen vor Sport und Fitness

Die Befragten in Deutschland und Großbritannien interessierten sich zumeist für ihre Gesundheit: 73 Prozent der Briten und nahezu 62 Prozent der Deutschen wollen Parameter wie etwa Bluthochdruck oder Blutzucker im Auge behalten. Mit 59 Prozent hegen die Deutschen an zweiter Stelle den Wunsch, den persönlichen Energieverbrauch überwachen zu können. Diese Frage beschäftigt insbesondere Frauen, von denen 60 Prozent ihren persönlichen CO2-Ausstoß analysieren wollen – bei den Männern ist das nur 45 Prozent wichtig. Ebenfalls interessiert zeigten sich die Befragten daran, Statistiken zu ihren persönlichen Finanzen auszuwerten (73 Prozent der Briten, 56 Prozent der Deutschen). Dieser Aspekt ist auch der einzige, der von mehr als der Hälfte der Franzosen als relevant angesehen wird.

Daten zu sportlichen Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren interessieren im Durchschnitt nur die Hälfte der Deutschen und gar nur 42 Prozent der Briten und 34 Prozent der Franzosen. Informationen zu aufgenommenen bzw. verbrauchten Kalorien interessieren ebenfalls nur 53 Prozent der Deutschen und sogar nur 32 Prozent der Franzosen. Anders sieht dies bei den jungen Befragten zwischen 14 und 29 Jahren aus: Ihr Interesse am Life-Logging liegt zum Teil bis zu 27 Prozent über dem Durchschnitt.

Analysieren und Handeln

Auch die Nutzung der aufgezeichneten Daten hängt stark vom Alter der Befragten ab. In England zum Beispiel würden etwa 78 Prozent der jüngsten Befragten (bis 24 Jahre) ihre Leistungen steigern wollen und 72 Prozent sogar ihr Leben ändern. Bei den ältesten Befragten (65 Jahre und älter) sind dies nur 31 bzw. 32 Prozent. Ein ähnliches Gilt zeigt sich auch in Deutschland und Frankreich. Ganze 46 Prozent der deutschen Jugend (14 bis 29 Jahre) fühlt sich durch die Daten motivierter, bei den Älteren (60 Jahre und älter) trifft das nur auf 22 Prozent zu. Bei den Franzosen wären mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Jugendlichen (bis 24 Jahre) motivierter, aber lediglich ein Viertel der Älteren (65 Jahre und älter) denkt genauso. Auch bei der Bereitschaft zum Teilen und Vergleichen der Daten mit anderen wird mein Eindruck aus der Quantified Self Bewegung bestätigt. Lediglich ein Drittel der Briten ist daran interessiert, die Daten mit denen anderer zu vergleichen. In Deutschland und Frankreich sind das sogar nur 22 beziehungsweise 19 Prozent.

Die Umfrage wurde im August 2013 im Auftrag von QlikTech, dem führenden Anbieter von anwendergesteuerter Business Intelligence Software durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Europäer ein vitales Interesse an Daten zu ihrer eigenen Gesundheit besitzen, ähnlich wie die Bevölkerung Amerikas, dem Ursprungsland der Quantified Self Bewegung.

Dieser Artikel ist im Original auf igrowdigital.com erschienen

Die Quantified Self Community

Photo von der QS Conference (copyright by Apneet Jolly)

Photo von der QS Conference (copyright by Apneet Jolly)

Wer schon öfter unsere Artikel gelesen hat, weiß wahrscheinlich, dass wir uns als Community verstehen bei der jeder mitmachen kann. In diesem Artikel möchten wir beschreiben wie diese Gemeinschaft funktioniert und wie man sich einbringen kann.

Am einfachsten kommt man mit der QS Community bei persönlichen Treffen in Kontakt. Auch im Zeitalter von Social Media hat die alte Methode des Sprechens, Zuhörens und der direkten Interaktion immer noch große Bedeutung. Diese Bedeutung kommt auch durch die Quantified Meetups welche rund um die Welt beinahe täglich stattfinden zum Ausdruck. Diese Meetups sind aus dem einfachen Wunsch entstanden, zu Lernen, was andere Menschen mit der Fähigkeit sich selbst zu beobachten und zu verstehen anfangen. Vier Jahre später lebt die Philosophie des offenen Teilens und des gemeinschaftlichen Lernens in 80 Meetups wie zum Beispiel in Sydney, San Diego oder Hamburg (wo kommenden Montag das erste Show & Tell stattfindet).

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Biohacker Dr. Belusa im Interview

In diesem Interview berichtet Dr. Ralf Belusa von seiner Erfahrung mit dem Tracking verschiedenster Körperwerte. Der Aufbau des Interviews orientiert sich dabei an den drei Grundfragen die auch unsere Show & Tells beantworten. Einen tieferen Einblick gibt der Mediziner auch beim nächsten Quantified Self Meetup am 24. Januar in Berlin.

Hallo Ralf. Welche Daten hast Du gesammelt und warum?

Über die letzten zwei bis drei Jahre habe ich mit verschiedenen Messgeräten, Devices und Apps folgende Parameter gesammelt: Gewicht, Fettanteil, Muskelanteil, Wasseranteil, eingenommene Medikamente, Sportart und Dauer, Ernährung (kJ, Salz, Fett, Vitamine, Kohlenhydrate, Wasser, Zucker und Mineralstoffe), besondere Ernährungsbestandteile, Hautbeschaffenheit, Symptome und Krankheiten, Puls, Blutdruck, Blutsauerstoff, Stimmung, Schlafdauer und Stresslevel.

Wie hast Du es gemacht? (wie hast Du die Daten gesammelt und ausgewertet..)

Um den Aufwand zu minimieren verwende ich eine Art Wechselwirkungsprinzip mit dem ich variabel die jeweils wichtigsten Parameter erfasse. Grundparameter wie Gewicht, Körperfett, Muskeln oder Blutdruck-Puls monitore ich kontinuierlich. Somit bilden diese die Basisparameter, welche den Rahmen vorgeben. Darüber hinaus werden die Wechselwirkungsparameter wie Krankheiten, Symptome und Medikamente, Sport, Ernährung, Hautbeschaffenheit usw. bei Veränderungen oder Wechselwirkungen gemessen. Tritt eine Wechselwirkung oder Veränderung meines Körpers auf, wende ich eine Vielzahl von Messparametern und Einflussgrößen an, um die Wechselwirkung oder Veränderung zu erkennen und zu kontrollieren. Ich verstehe unseren Organismus hier als einen dynamischer Kreislauf, welcher sich kontinuierlich erweitert und verändert. Bei bestimmten Krankheitssymptomen oder Veränderungen, ändere ich zielgerichtet die Ernährung, Medikamente, Sport, um das Gesamtsystem Körper wieder ins Gleichgewicht und optimalere Ausgangslage zu regulieren.

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Teilnehmer für Studie zu Quantified Self gesucht

Dies ist ein Gastbeitrag von Marcia Nißen, welche Quantified Self im Rahmen Ihrer Bachelorthesis untersucht.

Warum vermesst Ihr Euch?  Wie viel Zeit investiert Ihr ins Selbstvermessen? Was trackt Ihr alles und wie trackt Ihr es? Mich lassen diese Fragen, seitdem ich mich mit Quantified Self beschäftige, absolut nicht mehr los. Im Rahmen meiner Bachelorthesis hinterfrage ich individuelle Motivationen und Motive zur Selbstvermessung und bräuchte dafür nun eure Mithilfe. Wenn ihr irgendetwas in euerm Leben vermesst und aufzeichnet, würde ich mich freuen, wenn ihr an meiner Umfrage teilnehmt.

Zum Ausfüllen des gesamten Fragebogens solltet Ihr zwischen 15 und 20 Minuten brauchen. Eure Antworten werden anonymisiert und natürlich nicht an Dritte weitergegeben. Alle Ergebnisse und Erkenntnisse aus diesen Daten werde ich der Quantified Self Community nach Abschluss meiner Bachelorarbeit gerne zur Verfügung stellen. Hier gehts zur Umfrage: www.ksos.kit.edu/qs

Marcia Nißen studiert Wirtschaftingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und schreibt momentan an ihrer Bachelorarbeit zu dem Thema „Self-Tracking Activities and Motivations“. Seit September 2012 bloggt sie auf www.vermessen-leben.de über den Verlauf ihre Bachelorarbeit und Phänomene, die ihr dabei rund um Quantified Self begegnen. 

Zielgerichtete Gewichtsreduktion, ein Selbstversuch

Bereits in der Vergangenheit habe ich mit zielgerichteter Gewichtsreduktion experimentiert. Dies war jedoch mit größerem Aufwand verbunden, was ich in meinem Blog beschrieben habe. Mit der von mir aktuell genutzten Lösung von Schrittzähler und W-Lan Waage als Motivationsplattform, ist das Vorhaben einen gezielten Gewichtsverlust herbei zu führen ein ganzes Stück einfacher geworden. Erforderlich ist zwar die exakte Dokumentation der täglichen Nahrung, welche mit den Funktionen des Fitbits jedoch praktikabel umsetzbar ist.

Für die praktische Realisierung meines Gewichtsziels gehe ich folgendermaßen vor: Im Dashboard des Fitbits habe ich mein angestrebtes Zielgewicht festgelegt. Zusätzlich gibt es die Wahl zwischen drei verschiedenen „Intensitäten“ d.h. der Höhe der täglichen Differenz zwischen Kalorienaufnahme und Zufuhr. Gewählt habe ich hier den moderaten (mittleren) Wert von 500kcal. Aus aktuellem Gewicht sowie der festgelegten Differenz ergab sich ein Zieltermin zu welchen das Zielgewicht erreicht werden soll. Das nachfolgende Diagramm zeigt den Verlauf dieser Differenz bis zum heutigen Tage an.

SOLL/IST des täglichen kcal-Verlaufs

(Anmerkung zur Grafik: Den Fitbit habe ich erst kurz nach dem Start dieses Projektes bekommen. Daher die „Anlaufschwierigkeiten“ der Graphen)

 

 

Der Beeminder „Diagrammdienst“ wurde mit den gewonnenen Eckdaten des Projekts gefüttert und gab als Produkt ein Diagramm aus, in welchem ein fest definierter Korridor für den vorgegebenen Gewichtsverlauf abgebildet wurde. Neben Fitbit und Beeminder erleichtert die WiFi Waage die automatisierte Datenerhebung und Verarbeitung, da diese ihre Daten nach dem morgendlichen wiegen an Beeminder überträgt.

Gewichtsverlauf im Beeminderdiagramm

Das Diagramm zeigt den Verlauf der Gewichtskurve (rote Linie), welche aus den einzelnen Messpunkten (grün = unterhalb, blau innerhalb des SOLL-Bereichs). Die kritische Schwelle ist mit den orangenen Strichen gekennzeichnet.

Jeden Morgen nach dem Wiegen erhalte ich zusätzlich eine Mail von Beeminder, der mir eine Liste der letzten Werte sowie den Hinweis ob ich im Soll oder sogar darunter bin mitteilt. Dieser Mechanismus ist durch die Verbindung von Beeminder und Withingsaccount möglich die ihre Daten austauschen. Zwar zeigen sowohl Fitbit als auch natürlich die Withingsplattform den Gewichtsverlauf an, doch ist die Visualisierung der Daten bei Beeminder ansprechender und mit der integrierten Sollvorgabe äußerst Zweckmäßig.

Jede Mahlzeit wird entweder am PC oder direkt mit dem Smartphone mit der Fitbitapp dokumentiert. Zurzeit steht eine englische Nahrungsmitteldatenbank zur Verfügung, die durch eigene Einträge ergänzt werden kann. Es muss nur das gewünschte Lebensmittel ausgewählt und die Menge sowie die Mahlzeit zu der es gegessen wurde angegeben werden.
Nach dem der Fitbit mit dem Onlineprofil synchronisiert worden ist, stehen einem auch auf dem Smartphone die Information direkt zur Verfügung. Über ein Tachodiagramm sieht man wie der aktuelle Stand der geplanten Energieaufnahme ist.

Fitbit Aufnahme/Verbrauch an kcal des aktuellen Tages

Nach rund 70 Tagen der Datenerhebung und Auswertung zeichnen sich schon erste (postive) Verhaltensänderungen ab. So habe ich z.B. das Auto gegen die Bahn + den Fußweg zur Arbeitsstelle getauscht und versuche jeweils in der Mittagspause einen Spaziergang zu machen. Weiter kommt langsam wieder eine Routine in das Lauftraining, welches weitere Schritte aufs Schrittekonto bringt. So wurden aus ehemals durchschnittlich 5.000-7.000, an normalen Tagen 10.000-12.000 Schritte. Wenn dann noch eine kleinere oder größere Laufrunde dazukommt sind es schnell mal 20 bis 25.000.

Gegenüberstellung von unterschiedlichen Fitbit-Schritte Diagrammen

Mir fällt es leicht mich an mein Soll zu halten und ich erreiche die vorgegebenen Werte fast immer. Nie habe ich das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen, schließlich lassen sich Ausreißer beim Essen gut durch körperliche Aktivität ausgleichen. Sicherlich strebe ich im Normalfall eine gesunde und ausgewogene Ernährung an, doch z.B. an Trainingstagen, kann ich mir ruhig mal ein Franzbrötchen mit extra Nutella gönnen und bin trotzdem genau im Soll. In der Vergangenheit war ich in Bezug auf die Ernährung oftmals viel strikter und konnte dies dann sicherlich nicht so konsequent durchhalten wie ich es jetzt mache. Die für mich mittlerweile gewohnten täglichen Abläufe geben mir nur zum Teil das Gefühl gerade eine spezielle experimentelle Phase „durchzumachen“, deren Ende ich herbeisehne. Vielmehr habe ich mich an das regelmäßige Wiegen und Eintragen gewöhnt und erfreue mich über die stetige wie gewünscht erzielte Gewichtsreduktion.

Laut Fitbit bzw. Beeminder-Vorgabe sind es noch 93 Tage zum angestrebten Zielgewicht. Ich bin optimistisch, dass ich es zu diesem Zeitpunkt oder vielleicht sogar schon vorher erreicht habe. Im Anschluss steht bereits das nächste Projekt fest – im Januar 2013 beginnt der 12-wöchige Marathontrainingsplan.

Internationale Quantified Self Kultur in Berlin

Am 17. Oktober wurde die englischsprachige Berlin Quantified Self Meetup Group gegründet. Die erste Veranstaltung der neuen Berliner Gruppe findet am 22. November statt. Unter den Sprechern sind zwei bekannte Personen aus der Quantified Self Szene. Steven Dean ist Designer, Dozent und Unternehmer in der digitalen Gesundheitsbranche sowie Partner des Inkubators PREHYPE. Der Organisator der New Yorker QS Meetups gibt beim Berliner Treffen eine Keynote zu Quantified Self und wird über seine Erfahrung mit Self-Tracking während des Trainings auf einen Iron Man berichten.

Steven Dean auf der QS Europa Konferenz 2011 (cc by Rain Rabbit)

Denis Harscoat ist Gründer des Startups DidThis und Co-Organisator der Pariser und Londoner QS Gruppen. Ihn interessieren insbesondere Gewohnheiten und die regelmäßige Ausübung von Handlungen, welche notwendig sind, um auf dem ihnen entsprechenden Gebiet Meisterschaft zu erreichen. Beim Berliner Treffen spricht Harscoat über das Self-Tracking von Handlungen, das “programmable self” und wie Self-Tracking ihn motiviert, seinen Lebensstil zu verändern. Neben den internationalen Gastsprechern kommt auch die Berliner Szene zu Wort. Peter Lewis ist Co-Organisator der neuen Berliner Quantified Self Gruppe und Entwickler von mobile Apps nach dem “spaced repitition learning system” Prinzip (SRS). Dieses Verfahren berücksichtigt die Merkfähigkeit des menschlichen Gehirns und hilft so die Effizienz beim Erlernen neuer Inhalte zu optimieren. Lewis spricht beim Meetup der neuen Gruppe über verschiedene SRS- Algorithmen, deren Potential für zukünftige Anwendungen und seine persönliche Erfahrung beim Erwerb von Wissen mit der Methode. Neben diesen und weiteren Beiträgen werden auch die Entwickler von Self-Tracking Apps ihren Bezug zu persönlichen Daten, Selbsterkentnis und Verhaltensänderung präsentieren. Entsprechend dem Vorbild der amerikanischen Quantified Self Meetups wird es nach den Vorträgen ein Demo Hour geben, bei welcher sich die Besucher über Berliner Startups wie Mentor, welches eine App zum Erreichen persönlicher Ziele entwickelt, informieren können. Alle Self-Tracker, QS-Interessierte und Pressevertreter sind zum Meetup am 22. November herzlich eingeladen. Weitere Informationen zur neuen Gruppe und zur Veranstaltung finden Sie hier.

Zweites Treffen der Münchner Quantified Self Gruppe

Am 13. Februar um 19:00 findet das zweite Treffen der Münchner Quantified Self Gruppe statt. In den Räumen des Combinat 56 werden mehrere Show & Tells von den Teilnehmern präsentiert. Bereits angekündigt sind Beträge zum Einsatz mobiler Geräte für Quantified Self. Franz Haslbeck wird die Eigenschaften der großen Smartphone Plattformen und Ihre Eignung zur Verwendung für Quantified Self-Projekte vorstellen. Ebenfalls aus dem mobilen Bereich wird Florian Schumacher den Prototypen einer von seinem Team  entwickelten  iPad App zum Self-Tracking präsentieren. Neben diesen Beiträgen werden weitere Berichte über die Quantified Self-Projekte der Teilnehmer des Treffens erwartet. Weitere Informationen und die Anmeldung zum Meetup finden Sie hier.