QS Berlin Show & Tell #6

Vor kurzem fand das sechste “Show & Tell” der Berliner QS-Gruppe statt, bei dem es drei interessante Vorträge zu hören gab.

Den Anfang machte Remco Vrielink, der über Integrität sprach und erzählte, wie er sich täglich Dinge vornimmt und am Ende des Tages analysiert, wie viele er davon tatsächlich geschafft bzw. erledigt hat. Beides erfasst er in einem normalen Notizbuch, den Anteil der erfüllten “Commitments” misst Remco in Prozent. Ein spannender Ansatz, denn allzu häufig ist die tägliche To-Do-Liste, die ja vermutlich beinahe jeder auf eine Art führt, etwas, bei dem man manche unliebsamen Aufgaben von einem Tag zum nächsten schiebt. Zumindest wird selten analysiert, was und wie viel man von seinen Vorsätzen erledigt und umsetzt – geschweige denn, womit dieser Faktor zusammenhängen könnte.

qs_berlin_show_tell_6_1

Mit dem Bereich Produktivität beschäftigte sich auch Brian Fabian Crain, den ich zu diesem Thema ja auch in dem brand-eins-Artikel über QS  porträtiert habe. Spannend fand ich vor allem Brians Gedanken über das Thema Anreize: Zu häufig messen wir bei Produktivität nur den Input, wie viel Zeit wir in etwas investieren – anstatt den Output zu messen, also was am Ende tatsächlich herauskommt, wie viel erledigt wurde. Das liegt u.a. daran, dass Input (i.d.R. Zeit) einfacher zu messen ist als Output (Menge vs Qualität, etc.).

Brian stellte drei verschiedene Ansätze vor, mit denen er bisher seine Produktivität gemessen hat:

1) Marc Andressens Methode: Jeden Abend auf eine Karteikarte 3-5 wichtige und große Dinge schreiben, die man am nächsten Tag erledigen will. Diese abarbeiten und auf der Rückseite der Karte vermerken, was man noch an Dingen erledigt hat, die nicht auf der Karte standen. Der  Vorteil: Die Methode misst Output anstatt (wie beispielsweise RescueTime) nur Input in Form von verbrachter Zeit zu tracken.

2) Die Pomodoro-Technik: Arbeit in 25-Minuten-Blöcke unterteilen, an deren Ende man erfasst, woran und wie produktiv man gearbeitet hat. Hat den Nachteil, dass man Input (Zeitaufwand) statt Output (Ergebnis) misst – wobei sich das durch die qualititative Bewertung WIE produktiv man war, ein wenig relativiert.

3) Cal Newports Methode: Der Mathematiker erfasst nur die Zeit, die er an wirklich schwierigen Aufgaben (er nennt es “deep work”) arbeitet. Da kommen nur wenige Stunden pro Woche zusammen, dafür legt er sehr strenge Kriterien an, was als “deep work” gilt. Das ganze Tagesgeschäft (Klausuren bewerten, Vorlesungen vorbereiten) erfasst er beispielsweise nicht. Brian nannte das Modell einen “interessanten Hybriden”, bleibt aber momentan bei der Pomodoro-Methode, die er inzwischen seit 17 Monaten benutzt.

qs_berlin_show_tell_6_3

Die Veranstaltung war gut besucht und auch das Medieninteresse am Thema scheint ungebrochen, diverse Journalisten waren anwesend, machten sich Notizen und führten anschließend Interviews, ebenso wie ein Kamerateam von RTL Extra, die einen größeren Beitrag über das Thema Self-Tracking planen.

qs_berlin_show_tell_6_2

Der dritte Vortrag des Abends kam vom Organisator Florian Schumacher selbst. “Tracking my life while celebrating it”, war der Titel und es war sicher der persönlichste Vortrag des Abends. Florian hat sich für 2014 vorgenommen, sein Leben in 12 Bereichen zu optimieren. Für das erste Quartal waren die Bereiche Ernährung, Sport und Produktivität dran.

Die Hacks, die Florian anwendet, waren interessant und reichen von einer gesunden aber bewusst sehr unaufwändigen Ernährung (morgens nur Kaffee mit Butter, also die Dave Asprey “Bulletproof”-Methode, mittags ein grüner Smoothie) bis zu einer zeitgesteuerten Lichtanlage in seinem Zimmer, die ihn automatisch zu einem Mittagsschlaf und zu regelmäßigen Bettzeiten konditioniert.

Spannend fand ich hier vor allem den Ansatz, so viele Entscheidungen wie möglich zu automatisieren, zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Er müsse nicht mehr jeden Morgen überlegen, ob er genug Zeit habe, zum Sport zu gehen, es sei ein fixer Termin, ebenso wie der Mittagsschlaf oder andere Dinge. Stichwort Decision Fatigue, je weniger man jedes Mal wieder über gewisse Dinge nachdenken muss, umso besser die Chancen, sie dauerhaft durchzuziehen.

qs_berlin_show_tell_6_4

Insgesamt war es wieder ein sehr interessanter Abend. Nach den Vorträgen gab es noch ein paar gute Beiträge am Open Mike, ebenso wie spannende Gespräche untereinander. Ich freue mich schon auf die nächste “Show & Tell”-Veranstaltung. Zuerst aber geht es nach Amsterdam!

Dieser Artikel ist zuerst auf Self-Tracking-Blog erschienen. Vielen Dank an Christoph Koch (Journalist und Autor von „Die Vermessung meiner Welt„) für den Bericht.

 

Ankündigung der Quantified Self Europakonferenz 2014

Wir freuen uns, bekannt zu geben, dass ihr euch ab sofort für die Konferenz anmelden könnt. Sie findet wieder in Amsterdam statt, diesmal am 10. und 11. Mai , und wird die Quantified Self Anwender, Forscher und Firmen aus aller Welt zusammenbringen.
Dies ist nun schon die sechste Quantified Self Konferenz, die Dritte in Europa. Wenn du ein QS-Nutzer, Designer, Unternehmer oder Forscher bist nutze die Gelegenheit an diesem Wochenende dich mit anderen Self-Trackern auszutauschen und inspirieren zu lassen! Die Konferenz wird praxisnah und interaktiv sein, mit benutzergestalteten Workshops zu den Themen Gesundheit, Stimmung , Datenvisualisierung , Schlaf , Ethik und vielen Weiteren. Es werden einige der besten Vorträge aus QS Show & Tell Meetups aus der ganzen Welt präsentiert, zudem gib es Plenardiskussionen zu aktuellen Themen in den Bereichen Technologie und Kultur der Selbstvermessung.
Die Konferenz ist eine Gelegenheit zu erkunden, wie man persönliche Bedeutung aus Daten gewinnen kann. Auf der QS Konferenz in San Francisco hatten wir einige tolle Beiträge rund um das Thema Daten und Datenvisualisierung. Hier ein Vorgeschmack (auf englisch) davon, was wir auf der Europakonferenz gemeinsam erkunden können.
Wie immer sind alle Teilnehmer dazu eingeladen, ihre eigenen Erkenntnisse zu präsentieren oder eine Breakout-Session zu halten. Beschreibe einfach deinen Themenvorschlag bei der Registrierung. Die genaue Themenauswahl auf die ihr euch freuen könnt wird dann kurz vor der Konferenz bekannt gegeben. Wir hoffen dich in in Amsterdam zu sehen!

Die Zukunft der Selbstvermessung – Meine Erfahrungen von der 2013 Quantified Self Konferenz in San Francisco

Bericht von Maximilian Gotzler

Nach einem wunderbaren Erlebnis bei der Quantified Self Konferenz in Amsterdam zu Beginn diesen Jahres waren meine Erwartungen für die US-Version auf der großen Bühne in San Francisco recht hoch. Das Programm sah sehr vielversprechend aus und nach der Ankunft im schönen Golden Gate Club im Presidio von San Francisco konnte ich es kaum abwarten zu starten.

N = 1: Eine „Bewegung“ von sich selbst vermessenden Menschen

Während andere Konferenzen mit einem oft unangenehmen Kennenlernprozess beginnen, fühlt sich eine Quantified Self Veranstaltung mehr wie ein informelles Treffen von Gleichgesinnten an. Viele Gesichter waren mir bereits aus Amsterdam bekannt und so fühlte ich mich von Anfang an sehr willkommen. Es fühlte sich nur natürlich an, sich noch mit denjenigen anzufreunden, die man noch nicht kannte.

In der Eröffnungsrede teilte QS-Mitgründer Gary Wolf erneut seine Vision von Quantified Self als n = 1 Bewegung von sich selbst vermessenden Individuen (n = 1 als Beschreibung für Studien mit nur einer Testperson). Quantified Self dreht sich somit nicht um groß angelegte Forschungsprojekte mit wissenschaftlichen Standards wie Kontrollgruppen oder mehreren Testreihen. Es geht vielmehr darum, das anzunehmen was für dich persönlich funktioniert und zu ignorieren, was nicht funktioniert.

QS-Conference

Nichts für passive Zuhörer, mischt euch unters Volk!

Wie bei vorherigen Konferenzen gab es auch diesmal zeitgleich mehrere Vorträge. Neben den Plenarsitzungen fanden Show & Tell Talks, Conversations (bei denen jedes Mal drei bis vier Experten zu einem Thema interviewed wurden), Breakout Sessions und Office Hours von teilnehmenden Unternehmen und Forschungsprojekten statt. Mit all diesem parallel entstehendem Gesprächsstoff erwachen QS Veranstaltungen vor allem im Austausch mit anderen Teilnehmern zum Leben. Wer nur dasitzt und passiv zuhört hat es schwer, auf seine Kosten zu kommen.

Meine Höhepunkte vom Donnerstag