QS Berlin Show & Tell #6

Vor kurzem fand das sechste “Show & Tell” der Berliner QS-Gruppe statt, bei dem es drei interessante Vorträge zu hören gab.

Den Anfang machte Remco Vrielink, der über Integrität sprach und erzählte, wie er sich täglich Dinge vornimmt und am Ende des Tages analysiert, wie viele er davon tatsächlich geschafft bzw. erledigt hat. Beides erfasst er in einem normalen Notizbuch, den Anteil der erfüllten “Commitments” misst Remco in Prozent. Ein spannender Ansatz, denn allzu häufig ist die tägliche To-Do-Liste, die ja vermutlich beinahe jeder auf eine Art führt, etwas, bei dem man manche unliebsamen Aufgaben von einem Tag zum nächsten schiebt. Zumindest wird selten analysiert, was und wie viel man von seinen Vorsätzen erledigt und umsetzt – geschweige denn, womit dieser Faktor zusammenhängen könnte.

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Mit dem Bereich Produktivität beschäftigte sich auch Brian Fabian Crain, den ich zu diesem Thema ja auch in dem brand-eins-Artikel über QS  porträtiert habe. Spannend fand ich vor allem Brians Gedanken über das Thema Anreize: Zu häufig messen wir bei Produktivität nur den Input, wie viel Zeit wir in etwas investieren – anstatt den Output zu messen, also was am Ende tatsächlich herauskommt, wie viel erledigt wurde. Das liegt u.a. daran, dass Input (i.d.R. Zeit) einfacher zu messen ist als Output (Menge vs Qualität, etc.).

Brian stellte drei verschiedene Ansätze vor, mit denen er bisher seine Produktivität gemessen hat:

1) Marc Andressens Methode: Jeden Abend auf eine Karteikarte 3-5 wichtige und große Dinge schreiben, die man am nächsten Tag erledigen will. Diese abarbeiten und auf der Rückseite der Karte vermerken, was man noch an Dingen erledigt hat, die nicht auf der Karte standen. Der  Vorteil: Die Methode misst Output anstatt (wie beispielsweise RescueTime) nur Input in Form von verbrachter Zeit zu tracken.

2) Die Pomodoro-Technik: Arbeit in 25-Minuten-Blöcke unterteilen, an deren Ende man erfasst, woran und wie produktiv man gearbeitet hat. Hat den Nachteil, dass man Input (Zeitaufwand) statt Output (Ergebnis) misst – wobei sich das durch die qualititative Bewertung WIE produktiv man war, ein wenig relativiert.

3) Cal Newports Methode: Der Mathematiker erfasst nur die Zeit, die er an wirklich schwierigen Aufgaben (er nennt es “deep work”) arbeitet. Da kommen nur wenige Stunden pro Woche zusammen, dafür legt er sehr strenge Kriterien an, was als “deep work” gilt. Das ganze Tagesgeschäft (Klausuren bewerten, Vorlesungen vorbereiten) erfasst er beispielsweise nicht. Brian nannte das Modell einen “interessanten Hybriden”, bleibt aber momentan bei der Pomodoro-Methode, die er inzwischen seit 17 Monaten benutzt.

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Die Veranstaltung war gut besucht und auch das Medieninteresse am Thema scheint ungebrochen, diverse Journalisten waren anwesend, machten sich Notizen und führten anschließend Interviews, ebenso wie ein Kamerateam von RTL Extra, die einen größeren Beitrag über das Thema Self-Tracking planen.

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Der dritte Vortrag des Abends kam vom Organisator Florian Schumacher selbst. “Tracking my life while celebrating it”, war der Titel und es war sicher der persönlichste Vortrag des Abends. Florian hat sich für 2014 vorgenommen, sein Leben in 12 Bereichen zu optimieren. Für das erste Quartal waren die Bereiche Ernährung, Sport und Produktivität dran.

Die Hacks, die Florian anwendet, waren interessant und reichen von einer gesunden aber bewusst sehr unaufwändigen Ernährung (morgens nur Kaffee mit Butter, also die Dave Asprey “Bulletproof”-Methode, mittags ein grüner Smoothie) bis zu einer zeitgesteuerten Lichtanlage in seinem Zimmer, die ihn automatisch zu einem Mittagsschlaf und zu regelmäßigen Bettzeiten konditioniert.

Spannend fand ich hier vor allem den Ansatz, so viele Entscheidungen wie möglich zu automatisieren, zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Er müsse nicht mehr jeden Morgen überlegen, ob er genug Zeit habe, zum Sport zu gehen, es sei ein fixer Termin, ebenso wie der Mittagsschlaf oder andere Dinge. Stichwort Decision Fatigue, je weniger man jedes Mal wieder über gewisse Dinge nachdenken muss, umso besser die Chancen, sie dauerhaft durchzuziehen.

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Insgesamt war es wieder ein sehr interessanter Abend. Nach den Vorträgen gab es noch ein paar gute Beiträge am Open Mike, ebenso wie spannende Gespräche untereinander. Ich freue mich schon auf die nächste “Show & Tell”-Veranstaltung. Zuerst aber geht es nach Amsterdam!

Dieser Artikel ist zuerst auf Self-Tracking-Blog erschienen. Vielen Dank an Christoph Koch (Journalist und Autor von “Die Vermessung meiner Welt“) für den Bericht.

 

Self-Tracking Erfahrung im igrowdigital Podcast

Gemeinsam mit Christian Grasse und Johannes Kleske produziere ich seit einigen Monaten den igrowdigital Podcast, auf dem wir über die neusten Trends im Bereich Quantified Self und Wearables sprechen. In der aktuellen Folge geht es um unsere persönliche Erfahrung mit Self-Tracking. Johannes berichtet davon, wie er seinen Blutdruck gesenkt und mit intermittierendem Fasten sehr schnell abgenommen hat. Ich erkläre mein aktuelles Self-Tracking Programm, mit dem ich Gewicht reduziert, Muskeln aufgebaut und meinen Schlaf und meine Produktivität verbessert habe. Über diese Themen gibts auch einen Vortrag beim Berliner Quantified Self Show & Tell #6 heute Abend. Unter anderem spreche ich dabei auch über Time-Tracking. Die aktuelle Folge des igrowdigital Podcasts könnt ihr Euch direkt im Soundcloud Player anhören. Das Diagramm auf dem Bild zeigt, was ich im ersten Quartal 2014 mit meiner Zeit so angefangen habe.

Cheers, Florian

 

Testosteron-Tracking und Ernährung

Kratzwunden, die über Nacht heilen, erhöhter Blickkontakt mit dem vorbeiziehenden, weiblichen Geschlecht und eine hormonelle Aura, die alle Personen in einem drei Meter Umkreis überwältigt. So ähnlich beschreibt Tim Ferriss den Effekt der Verdreifachung seines Testosteronspiegels in seinem Buch “Der 4-Stunden-Körper.” Die Aggression, die schnelle Wundheilung und die übermäßige Kraft und Energie erinnern durchaus auch an den behaarten Mutanten in der X-Men Serie. In seinem zweiten Show & Tell ist Maximilian Gotzler diesmal der Macht des wichtigsten männlichen Geschlechtshormons auf den Grund gegangen. In folgendem Video könnt ihr Max’ unterhaltsamen Vortrag nochmals miterleben und mehr über die biologischen Mechanismen und Funktionen von Testosteron erfahren. Darüber hinaus erfahrt ihr, wie man sein Level mit Ernährung verändern kann und wie sich Auswirkungen einer signifikanten Erhöhung tatsächlich zeigen.

Maximilian Gotzler ist ehemaliger Leistungssportler, Unternehmer und langjähriger Self-Tracker. Mit seinem Unternehmen Biotrakr will er Nutzern ermöglichen, Blutwerte einfach zu ermitteln, richtig zu interpretieren und zu optimieren. Twitter: @maxeeegeee, @biotrakr.

Show & Tell #5 in Berlin

Zum fünften Berliner Quantified Self Meetup fanden wir uns erstmals im Hubraum, dem Startup Inkubator der Deutschen Telekom, wieder. Dieser bot einen hervorragenden Raum für ein anregendes Treffen, das von Florian Schumacher moderiert wurde. Mit mehr als hundert Teilnehmern war dann auch die Nachfrage groß.
QS Berlin #5

Wolverine werden (Max Gotzler)

Im ersten Vortrag des Abends teilte Max Gotzler seine Erkenntnisse über den optimalen Weg mehr wie Wolverine zu werden. Als Selbstvermesser ging er die Sache natürlich systematisch an und fokussierte sich bei seinen Bluttests auf den Testosteronspiegel.

Nach einer Einführung in die biologische Funktion des Testosterons, erklärte er auch warum dieses wichtige Hormon im Alter tendenziell abnimmt.

Sein Experiment begann nachdem er in einem Bluttest feststellte, dass sein Testosteronspiegel erstaunlich tief war. Max wechselte daraufhin auf eine Low-Carb Diät und reduzierte den Anteil der Kohlenhydrate auf unter 30%. Obwohl er sich aggressiver und besser fühlte passte der deutliche Gewichtsverlust nicht zum Wolverine-Pfad. In einem Bluttest fand er auch, dass seine Testosteronwerte deutlich abgenommen hatten.

In der folgenden Zeit begann er mehr Kohlenhydrate zu essen und nahm prompt wieder fünf Kilo an Muskelmasse zu. In einem erneuten Bluttest fand Max eine dramatische Erhöhung seines Testosteronwertes. Obwohl der Zusammenhang zwischen Testosteron und Kohlenhydrateinnahme nicht ganz bekannt ist, fand Max doch eine Studie in der kohlenhydratarme Ernährung den Testosteronspiegel in Athleten senkte.

Testosterone

Max gab ebenfalls ein kurzes Update zu seinem Startup Biotrakr, das ambitioniert allen zum Wolverine-Status verhelfen möchte. Der erste Schritt auf diesem Weg ist ein Vitamin-D Test, der auf Biotrakr innert Kürze erhältlich sein wird.

Bluttests und Fast-Food Experimente (Roland Gaber)

Auch im zweiten Show & Tell waren Bluttests das zentrale Thema. Rolands Erfahrungen mit Bluttests begannen vor neun Jahren als er plötzlich starke Magenschmerzen bekam und in den folgenden Monaten 20kg Gewicht verlor. Nach langer Suche half ihm ein Bluttest schlussendlich die Ursache in mangelhaften Magnesium-, Zink- und Proteinwerten zu finden. In der Folge halfen ihm Sport, gesundes Essen und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln um sich wieder zu erholen.

Das letzte Jahr verbrachte Roland als Austauschstudent an der University of Chicago und führte da ein grosses (und ausgesprochen amerikanisches) Selbstexperiment durch: Eine hundertprozentige Fastfood Diät!

Nachdem er sich selbstlos zwei Monate diesem Experiment hingegeben hatte, zeigte ein Bluttest mit Inside Tracker dass sein LDL-Cholesterol und Vitamin-D Niveaus schlecht waren. Auch Magnesium, Testosteron und HDL Cholesterol waren nicht ideal.

In der Folge, startete Roland Phase 2 seines Experimentes: gesünderes Essen, Schrittezählen mit Jawbone, viele Nüsse und Früchte und Besuch der Freundin. In der Tat wirkten diese und seine Testergebnisse verbesserten sich markant.

Schritt für Schritt Richtung Halbmarathon (Holger Dieterich)

Für Holger fing seine persönliche Reise mit dem Kauf eines Fitbits an. Im Januar 2012 begann er aus Neugierde seine Schritte zu tracken. Da er seinen Tagesdurchschnitt von 7’500 Schritten nicht zufriedenstellend fand, ging er nach einiger Zeit vom tracken zum optimieren über und setzte sich ein Ziel von 10,000 Schritte pro Tag. Auch dank der Hilfe seiner Frau, die sich als effektive Motivatorin herausstellte, erreichte er das Ziel.

Danach hörte Holger von einem neuen Phänomen namens ‘Jogging’. Er lud sich die App Runkeeper runter und begann dessen Halbmarathon Programm. Durch Ziel und den motivierenden Effekt des Tracken fand er es erstaunlich einfach den Trainingsplan einzuhalten – selbst in Berlins bisweilen unfreundlicher Kälte. Seine Aktivität und ein deutlicher Fettverlust zeigte auch auf der Withingswaage. Im März steht der Halbmarathon an!

Audience QS Berlin

Quantified Self – Eine Journalistenperspektive (Christoph Koch)

Journalisten haben oft eine ambivalente bis negative Einstellung gegenüber Quantified Self. Christoph Koch, ein Journalist für Brand Eins und andere Medien, unterscheidet sich allerdings da er sich selbst praktisch mit dem Thema auseinandersetzte und darin grossen Wert fand. Er schrieb in der Folge sogar ein Buch über seine Erfahrungen: Die Vermessung Meiner Welt. Darin dokumentiert er seine zahlreichen Selbstvermessungsexperimente, die von Schritte zählen, zu Essen, Ausgaben, und Produktivität reichten.

Er fand dabei, dass Verhalten zu ändern einfach ist wenn man etwas misst und die Daten als Feedback hat: Zum Beispiel nutzte er zum ersten Mal  regelmässig Treppe statt Aufzug.

In seinem Vortrag nahm sich Christoph allerdings der Berichterstattung über Quantified Self in den Medien an. Er lehnte sich dabei im wesentlichen an Standartsituationen der Technologiekritik von Kathrin Passig an. Diese hat immer wiederkehrende Mustern der Technologiekritik dokumentiert. z.B.

  • Wofür ist das überhaupt gut?
  • Ist das nicht nur für Privilegierte?
  • Das ist gar nichts neues.
  • Es ist zu kompliziert.
  • Junge Leute werden es inkorrekt verwenden.
  • Es macht die Kultur kaputt.

In Christophs unterhaltsamer Präsentation machte er eine Tour durch die Berichterstattung über Quantified Self und fand genau diese Muster auch wieder. (Als jemand der auch schon öfters in den Medien zum Thema Quantified Self portraitiert wurde, konnte Ich seinen Einschätzungen nur zustimmen.)

Christoph schreibt auch den self-tracking-blog.de, wo er sich mit dem Thema befasst.

OFFTIME (Alexander Steinhart)

Zuletzt stellte Alexander Steinhart kurz die Anwendung seines Startups (OFFTIME) vor. Der Zweck von (OFFTIME) ist es auf dem Mobiltelefon (leider nur Android) Internet, Telefon, SMS temporär auszuschalten um Perioden der Stille, Entkoppelung und Produktivität zu ermöglichen. Ähnliche Dienste sind auch für den Computer populär (z.B. SelfControl) doch (OFFTIME) bringt dies nun auch zu Smartphones und gibt zudem Feedback über den Gebrauch des Smartphones. Momentan arbeitet das Startup mit Telefonanbietern zusammen und führt gerade ein Experiment mit der Swisscom durch.

Brian Fabian Crain ist Co-Organisator der Quantified Self Gruppe Berlin und Gründer von Epicenter Bitcoin, einem Newsletter & Podcast über Bitcoin.

Beziehungs-Tracking

Fabio Santos ist Organisator des Quantified Self Meetup in Rio de Janeiro und liebt es zu Reisen und neue Leute kennenzulernen. Fabio trackt seine sozialen Interaktionen mit Menschen auf der ganzen Welt und analysiert deren Relevanz um die wichtigen Beziehungen in seinem Leben nicht aus den Augen zu verlieren und in Ihrer Qualität weiter zu entwickeln. Auf dem ersten Kölner Quantified Self Meetup hat Fabio seine Self-Tracking Praxis und die daraus entstehenden Vorteile beschrieben. Ein interessanter Talk der auch schon bei der Quantified Self Europe Konferenz im letzten Jahr für viel Erheiterung gesorgt hat.

Verhaltensänderung mit Apps und Gadgets

Holger Dieterich sprach beim 5. Berliner Show & Tell über Verhaltensänderung. Der freiberufliche Consultant nutzt seinen Fitbit und verschiedene andere Apps um sich zu mehr Aktivität im Alltag und zu regelmäßigen Laufen zu motivieren. Welche Tools er verwendet und was er dabei herausgefunden zeigt das Video.

[Video] Review Show&Tell #5 in Hamburg

QSHHAls ich ankündigte “kurzfristig” werde es ein kleines Review zum Treffen geben, wusste ich nicht wie schnell es geht. Gerade gestern Abend fand in der Hamburger GoodSchool – Der Schule für den digitalen Wandel – das QS Hamburg Show&Tell #5 statt.

Die Gruppe, deren Wachstum gerade in der vergangenen Woche die 100 geknackt hat, entwickelt sich prima. Zu jedem neuen Termin können jeweils viele neue Gesichter begrüßt werden. Es entstehen interessante Diskussionen zu den gehörten Talks, der hiesigen QS-Szene sowie Chancen und Trends für die Zukunft.

Es war wie auch in der Vergangenheit auch schon, ein spannender und anregender Abend. Durch das Engagement aus der Gruppe (Danke Rainer!) kann ich mir große Beschreibungen der Talks sparen und stattdessen einfach auf die von Ihm aufgenommenen Videos verweisen.

Was steckt in mir? – Genotyping mit 23andMe.com im Selbstversuch – Rainer Sax

qs-hamburg-23andme-rainerIn seiner Präsentation sprach Rainer über seine Neaderthaler-Herkunft, über seine genetischen Krankheitsrisiken und über die Handlungsrelevanz der Erkenntnisse aus dem Genotyping.

 

Der 24h-Lifestyle - Wie komme ich dauerhaft mit wenig Schlaf aus und bleibe leistungsfähig? - Peter Neumann

Präsentation als PDF: quantified-self-hamburg-mehrphasenschlaf-peter-neumann

Quo Vadis Quantified Self – welche Rolle spielen persönliche Daten in der Zukunft? - Florian Schumacher

Online Datenvergleich – Wie lassen sich quantitative Daten online miteinander teilen, vergleichen und suchen? – Wolfgang Orthuber

Präsentation als PDF: quantified-self-hamburg-nummel-wolfgang-orthuber

Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Termin und lade alle Interessierten herzlich ein, zu schauen wo sich bei ihm in der Nähe eine QS-Gruppe gibt.

Arne
@controlledself | controlledself.de

 

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Ankündigung der Quantified Self Europakonferenz 2014

Wir freuen uns, bekannt zu geben, dass ihr euch ab sofort für die Konferenz anmelden könnt. Sie findet wieder in Amsterdam statt, diesmal am 10. und 11. Mai , und wird die Quantified Self Anwender, Forscher und Firmen aus aller Welt zusammenbringen.
Dies ist nun schon die sechste Quantified Self Konferenz, die Dritte in Europa. Wenn du ein QS-Nutzer, Designer, Unternehmer oder Forscher bist nutze die Gelegenheit an diesem Wochenende dich mit anderen Self-Trackern auszutauschen und inspirieren zu lassen! Die Konferenz wird praxisnah und interaktiv sein, mit benutzergestalteten Workshops zu den Themen Gesundheit, Stimmung , Datenvisualisierung , Schlaf , Ethik und vielen Weiteren. Es werden einige der besten Vorträge aus QS Show & Tell Meetups aus der ganzen Welt präsentiert, zudem gib es Plenardiskussionen zu aktuellen Themen in den Bereichen Technologie und Kultur der Selbstvermessung.
Die Konferenz ist eine Gelegenheit zu erkunden, wie man persönliche Bedeutung aus Daten gewinnen kann. Auf der QS Konferenz in San Francisco hatten wir einige tolle Beiträge rund um das Thema Daten und Datenvisualisierung. Hier ein Vorgeschmack (auf englisch) davon, was wir auf der Europakonferenz gemeinsam erkunden können.
Wie immer sind alle Teilnehmer dazu eingeladen, ihre eigenen Erkenntnisse zu präsentieren oder eine Breakout-Session zu halten. Beschreibe einfach deinen Themenvorschlag bei der Registrierung. Die genaue Themenauswahl auf die ihr euch freuen könnt wird dann kurz vor der Konferenz bekannt gegeben. Wir hoffen dich in in Amsterdam zu sehen!

Die Zukunft der Selbstvermessung – Meine Erfahrungen von der 2013 Quantified Self Konferenz in San Francisco

Bericht von Maximilian Gotzler

Nach einem wunderbaren Erlebnis bei der Quantified Self Konferenz in Amsterdam zu Beginn diesen Jahres waren meine Erwartungen für die US-Version auf der großen Bühne in San Francisco recht hoch. Das Programm sah sehr vielversprechend aus und nach der Ankunft im schönen Golden Gate Club im Presidio von San Francisco konnte ich es kaum abwarten zu starten.

N = 1: Eine “Bewegung” von sich selbst vermessenden Menschen

Während andere Konferenzen mit einem oft unangenehmen Kennenlernprozess beginnen, fühlt sich eine Quantified Self Veranstaltung mehr wie ein informelles Treffen von Gleichgesinnten an. Viele Gesichter waren mir bereits aus Amsterdam bekannt und so fühlte ich mich von Anfang an sehr willkommen. Es fühlte sich nur natürlich an, sich noch mit denjenigen anzufreunden, die man noch nicht kannte.

In der Eröffnungsrede teilte QS-Mitgründer Gary Wolf erneut seine Vision von Quantified Self als n = 1 Bewegung von sich selbst vermessenden Individuen (n = 1 als Beschreibung für Studien mit nur einer Testperson). Quantified Self dreht sich somit nicht um groß angelegte Forschungsprojekte mit wissenschaftlichen Standards wie Kontrollgruppen oder mehreren Testreihen. Es geht vielmehr darum, das anzunehmen was für dich persönlich funktioniert und zu ignorieren, was nicht funktioniert.

QS-Conference

Nichts für passive Zuhörer, mischt euch unters Volk!

Wie bei vorherigen Konferenzen gab es auch diesmal zeitgleich mehrere Vorträge. Neben den Plenarsitzungen fanden Show & Tell Talks, Conversations (bei denen jedes Mal drei bis vier Experten zu einem Thema interviewed wurden), Breakout Sessions und Office Hours von teilnehmenden Unternehmen und Forschungsprojekten statt. Mit all diesem parallel entstehendem Gesprächsstoff erwachen QS Veranstaltungen vor allem im Austausch mit anderen Teilnehmern zum Leben. Wer nur dasitzt und passiv zuhört hat es schwer, auf seine Kosten zu kommen.

Meine Höhepunkte vom Donnerstag

Großes Interesse an Self-Tracking

In Amerika ist das Aufzeichnen von Daten zur Gesundheit weit verbreitet. Nach einer im September 2012 veröffentlichten Studie des Pew Research Centers erfassen 69 % der amerikanischen Bevölkerung einen oder mehrere Werte wie Gewicht, Blutdruck oder Blutzucker, zumeist für sich selbst, in vielen Fällen auch für eine Person aus dem persönlichen Umfeld. 21% der amerikanischen Bevölkerung nutzen Apps, Sensoren und Websites um ihre Daten zu speichern und auszuwerten, was im Vergleich zur reinen Messung ohne Aufzeichnung zu einem besseren Bewusstsein im Bezug auf die eigene Gesundheit führt.

Eine Emnid-Umfrage in Deutschland, Frankreich und Großbritannien liefert nun erstmals einen Einblick in das Interesse der Europäer am Self-Tracking. Je Land wurden 1.000 Personen zwischen 14 und 65+ Jahren befragt, welche Aspekte ihres Lebens sie gerne messen würden, um gesünder und bewusster zu Leben. Die Ergebnisse der Studie bestätigen den Eindruck, den wir in der Quantified Self Community schon seit längerem haben: Weit mehr als die Hälfte aller Deutschen und Briten zeigen großes Interesse daran, diverse Aspekte ihres Lebens wie gesundheitliche Indikatoren oder persönliche Finanzen zu analysieren, um besser und bewusster zu leben. Die Franzosen stehen dem Trend zum Self-Tracking etwas skeptischer gegenüber. Hier begeistert sich nur ein knappes Drittel der Befragten dafür.

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Gesundheit, Umwelt, Finanzen vor Sport und Fitness

Die Befragten in Deutschland und Großbritannien interessierten sich zumeist für ihre Gesundheit: 73 Prozent der Briten und nahezu 62 Prozent der Deutschen wollen Parameter wie etwa Bluthochdruck oder Blutzucker im Auge behalten. Mit 59 Prozent hegen die Deutschen an zweiter Stelle den Wunsch, den persönlichen Energieverbrauch überwachen zu können. Diese Frage beschäftigt insbesondere Frauen, von denen 60 Prozent ihren persönlichen CO2-Ausstoß analysieren wollen – bei den Männern ist das nur 45 Prozent wichtig. Ebenfalls interessiert zeigten sich die Befragten daran, Statistiken zu ihren persönlichen Finanzen auszuwerten (73 Prozent der Briten, 56 Prozent der Deutschen). Dieser Aspekt ist auch der einzige, der von mehr als der Hälfte der Franzosen als relevant angesehen wird.

Daten zu sportlichen Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren interessieren im Durchschnitt nur die Hälfte der Deutschen und gar nur 42 Prozent der Briten und 34 Prozent der Franzosen. Informationen zu aufgenommenen bzw. verbrauchten Kalorien interessieren ebenfalls nur 53 Prozent der Deutschen und sogar nur 32 Prozent der Franzosen. Anders sieht dies bei den jungen Befragten zwischen 14 und 29 Jahren aus: Ihr Interesse am Life-Logging liegt zum Teil bis zu 27 Prozent über dem Durchschnitt.

Analysieren und Handeln

Auch die Nutzung der aufgezeichneten Daten hängt stark vom Alter der Befragten ab. In England zum Beispiel würden etwa 78 Prozent der jüngsten Befragten (bis 24 Jahre) ihre Leistungen steigern wollen und 72 Prozent sogar ihr Leben ändern. Bei den ältesten Befragten (65 Jahre und älter) sind dies nur 31 bzw. 32 Prozent. Ein ähnliches Gilt zeigt sich auch in Deutschland und Frankreich. Ganze 46 Prozent der deutschen Jugend (14 bis 29 Jahre) fühlt sich durch die Daten motivierter, bei den Älteren (60 Jahre und älter) trifft das nur auf 22 Prozent zu. Bei den Franzosen wären mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Jugendlichen (bis 24 Jahre) motivierter, aber lediglich ein Viertel der Älteren (65 Jahre und älter) denkt genauso. Auch bei der Bereitschaft zum Teilen und Vergleichen der Daten mit anderen wird mein Eindruck aus der Quantified Self Bewegung bestätigt. Lediglich ein Drittel der Briten ist daran interessiert, die Daten mit denen anderer zu vergleichen. In Deutschland und Frankreich sind das sogar nur 22 beziehungsweise 19 Prozent.

Die Umfrage wurde im August 2013 im Auftrag von QlikTech, dem führenden Anbieter von anwendergesteuerter Business Intelligence Software durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Europäer ein vitales Interesse an Daten zu ihrer eigenen Gesundheit besitzen, ähnlich wie die Bevölkerung Amerikas, dem Ursprungsland der Quantified Self Bewegung.

Dieser Artikel ist im Original auf igrowdigital.com erschienen