Quantified Self Deutschland auf Facebook

Unsere Meetups sind eine tolle Möglichkeit sich über Self-Tracking und Quantified Self zu informieren. Für Alle die keine Gruppe in ihrer Nähe haben oder sich auch sonst gerne online austauschen, haben wir eine Facebook Gruppe gegründet in welcher wir alle Fragen rund um Self-Tracking diskutieren, neue Lösungen vorstellen und über unsere Meetups berichten. Die Gruppe ist für alle Interessierten offen. Schaut vorbei und ladet auch Eure Freunde zur Diskussion ein. Hier gehts zur QS Deutschland Facebook Gruppe.

 

Quantified Self Berlin – Show & Tell #7

Die siebte “Show & Tell”-Runde der Berliner QS-Gruppe fand am Donnerstag, 24.7.2014, in den neuen Räumlichkeiten der Factory Berlin statt. War zwar alles noch ein wenig provisorisch, aber so ist das halt in diesem verrückten Start-Up-Berlin. Maximilian Gotzler, einer der Organisatoren der Berliner QS-Gruppe, begrüßte die rund 40 Gäste, von denen rund die Hälfte zum ersten Mal dabei war.

max_gotzler_qs_7

Der erste Vortrag, kam von Josh Berson, der bereits auf der europäischen QS-Konferenz in Amsterdam im Mai für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Dort hatte Berson gefordert, die QS-Szene müsse soziale Verantwortung übernehmen, statt sich nur damit begnügen, selbstzufrieden den eigenen Bauchnabel zu analysieren. Sein Vortrag war damals sowohl mit viel Zustimmung als auch mit viel Kritik aufgenommen worden – er war in jedem Fall einer der erinnerungswürdigeren Talks auf der Konferenz.

Am Donnerstag in Berlin ging es Josh mehr um die soziale Komponente von Träumen, einer wie er sagte zu Unrecht dem Individuum zugeschriebenen Tätigkeit. Als ein interessantes Beispiel für die Auswirkung von kollektiven Träumen führte Josh das Volk der Kantu in Borneo an, die vom Reisanbau lebten. Als der Anbau von Pfeffer und Kautschuk größere Exportgewinne versprach, hatten viele Kantu denselben Traum: Einen Traum, in dem der Reis verschwunden war und sich erst viel später verschimmelt in einer Kautschukpflanze versteckt wiederfand. Das Volk verstand diesen Traum als (sich später als berechtigt herausstellende) Warnung, die lebenswichtige Reisproduktion nicht zugunsten von schnellen Kautschukerlösen zu vernachlässigen.

josh qs_7

Im zweiten Vortrag des Abends berichtete Ela, alias S.E. Sever, von ihren Schlafproblemen und wie sie diese durch Tracking in den Griff bekommen hatte. Ein sehr interessanter Vortrag, der die geschichtliche Entwicklung und die Basics der Schlafforschung (Schlafphasen etc.) ebenso gut erklärte, wie ihre Trackingmethoden und Schlussfolgerungen. Elas Anpassungen ihres Lebensstils sind relativ radikal und sicherlich nicht für jeden leicht umsetzbar – aber vor allem geht es bei Quantified Self ja darum, herauszufinden, was für einen individuell funktioniert und was nicht.

Erwähnenswert auch ihre Literaturtipps zum Thema Schlaf: “The Enchanted World of Sleep” von Peretz Lavie, “Grain Brain” von David Perlmutter und “Beyond Time” von Michel Siffre. Die App “Twilight”, die abends den Smartphonescreen dimmt, um das spätere Einschlafen zu erleichtern, klang auch spannend, leider nur für Android verfügbar.

se sever ela

Der letzte Speaker des Abends war ein Gast aus Köln: Andreas Schreiber hat die dortige QS-Gruppe gegründet und berichtete in seinem sehr ausführlichen Vortrag über seine verschiedenen Self-Tracking-Experimente. Schreiber, der vor etwa fünf Jahren einen Schlaganfall erlitt, arbeitet am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und entwickelt als CEO von Medando eigene Tracking-Apps. Er trackt seine medizinischen Daten wie Blutdruck, Puls, etc. ebenso wie seinen Schlaf, die Bewegungen seines Autos und die Aktivitäten seines Hundes.

Einige Korrelationen, die er bisher dadurch gefunden hat, sind bereits bekannt (z.B. der Zusammenhang zwischen Gewicht und Blutdruck), andere erschienen mir wiederum sehr spannend: So fand Schreiber heraus, dass sich seine Schlafeffizienz nicht steigert, wenn er seine gesamte Schlafdauer verlängert und er erkannte, dass seine Knieprobleme, an denen er seit einiger Zeit leidet, stärker werden, wenn er unter einer gewissen Anzahl von Schritten pro Tag bleibt.

andreas_qs7

Der Abend endete mit Gesprächen der Teilnehmer untereinander und dem gemeinsamen Ausprobieren eines Reaktionstestgeräts, das Andreas Schreiber mitgebracht hatte und das er mit dem DLR entwickelt, um die Reaktionsfähigkeit und damit den Schlafbedarf von Langstreckenpiloten zu tracken. Ein schöner und lehrreicher Abend, vielen Dank an alle Beteiligten!

Dieser Artikel ist zuerst auf Self-Tracking-Blog erschienen. Vielen Dank an Christoph Koch (Journalist und Autor von “Die Vermessung meiner Welt“) für den Bericht.

Quantified Self Meetup in Wien

Bart de WitteIn Wien wurde kürzlich eine Quantified Self Meetup Gruppe gegründet. Bartelomeus de Witte hat die Initiative ergriffen und bringt Quantified Self damit endlich nach Österreich :) Ich freue mich beim ersten Treffen am 25. Juni dabei sein zu können und viele Wiener Self-Tracker kennenzulernen. Gebt bitte auch Euren Freunden von der großartigen Neuigkeit Bescheid! Alles weitere zur Gruppe und dem ersten Treffen findet Ihr hier

Toolmaker Talk mit Ralf Lindner von Medisana

Als Quantified Self Deutschland Sponsor unterstützt uns Medisana bei der Durchführung unserer Meetups und dem Ausbau der Quantified Self Community. Ralf Lindner, CEO von Medisana, steht uns im Toolmaker Talk Rede und Antwort.

Hallo Herr Lindner, Sie sind Geschäftsführer eines Deutschen Traditions-Unternehmens für Gesundheitsprodukte. Mittlerweile befinden sich immer mehr digitale Lösungen im Angebot von Medisana. Woher kommt diese Entwicklung?

Ralf Lindner_MedisanaDie Entwicklung digitaler Lösungen, besonders auch für Gesundheitsprodukte liegt vor allem an der rasant zunehmenden Verbreitung und Verwendung mobiler Kommunikationsgeräte wie Tablets und Smartphones. Dadurch erleben wir zur Zeit die Transformation hin zu einer zunehmend vernetzten Welt mit kommunikationsfähigen und vernetzten Produkten und neuen, innovativen Dienstleistungen. Als Pionier der mobilen Gesundheit haben wir uns mit unseren Produkten als Innovationsmarktführer in Europa etabliert. Für die intelligente Verknüpfung von Hardware, Software und modernster Cloud Solution ist das VitaDock System heute das modernste und erfolgreichste System der persönlichen und mobilen Gesundheitskontrolle.

Welche digitalen Gesundheitslösungen bieten Sie mit Ihrem Unternehmen an?

Wir bieten digitale Gesundheitslösungen für den individuellen Bedarf unterschiedlicher User- bzw. Patientengruppen an. Zum Beispiel mit den Medisana Connect Körperanalyse-Geräten, den Vifit Activity Trackern und der neu entwickelten VitaDock+ App ermöglichen wir die Aufzeichnung und Verknüpfung von Gesundheitsparametern und Activitydaten in einer App. Die automatisch synchronisierten Daten können so jederzeit abgerufen, analysiert und mit anderen geteilt werden. Auch online, von jedem Punkt der Welt, sicher verschlüsselt und unabhängig vom genutzten Betriebssystem. In das System integriert sind ebenfalls Blutdruckmessgeräte, Körperanalyse Waagen, Blutzuckermessgeräte, Activity Tracker und Fieberthermometer.

Was sind die Vorteile von vernetzten Waagen, Blutdruck- oder Blutzucker-Messgeräten die Gesundheitswerte nicht nur messen sondern auch automatisch aufzeichnen?

Die Geräte vereinfachen unser Leben. Menschen, die täglich auf z.B. Blutzucker- Messgeräte angewiesen sind, müssen sich ihre täglichen Werte nicht mehr merken oder notieren. Diese werden einfach z.B. auf dem Smartphone synchronisiert und gespeichert. Somit kann der Benutzer seine Werte jederzeit einsehen und vergleichen. So wird eine 360°-Gesundheitsvorsorge Realität und begleitet uns unauffällig und zuverlässig in Beruf und Freizeit, zuhause und unterwegs, bei Tag und in der Nacht.

Welche Produkte würden Sie zukünftig gerne in Ihr Sortiment aufnehmen?

Wir erweitern unser Sortiment zur Zeit in Richtung Sport und Fitness. Die sinnvolle Verknüpfung der Gesundheitswelt mit der Sport- und Fitnesswelt hat für uns nicht nur höchste strategische Bedeutung, sondern erschließt sich schon aus der Tatsache, dass viele unserer Zivilisationskrankheiten maßgeblich durch Bewegungsmangel entstehen. Viele Studien belegen, dass körperliche Bewegung und gesunde Ernährung einen Großteil dieser Volkskrankheiten verhindern, lindern oder sogar heilen können. Hier, an der Schnittstelle zwischen Wellness und Fitness ist ein neuer Markt entstanden, an dem mit Pulsuhren und Fitnessarmbändern – die auf unterschiedliche Weise mit Smartphone Apps kommunizieren können – weltweit schon Millionen Menschen teilnehmen.

Im Laufe des Jahres werden wir weitere innovative Produkte vorstellen, die den wichtigen Volumenmarkt an der Schnittstelle zwischen Wellness und Fitness und damit zwischen Gesundheit und Sport ansprechen und erwarten hieraus kräftige und nachhaltige Wachstumsimpulse für die Medisana.

Nutzen Sie Self-Tracking Lösungen auch privat?

Ja, persönlich nutze ich die Waage und den Activity Tracker. Der Tracker begleitet mich täglich durchs Leben, ich habe ihn immer bei mir und kann abends kontrollieren wie viel ich mich täglich bewegt habe. Nachts zeichnet er meine Bewegungen im Schlaf und die Schlafdauer auf. Durch die Waage habe ich immer einen Überblick über meinen Gewichtsverlauf.

Wie sehen Sie die Zukunft von Self-Tracking und welche Rolle spielt das für das Gesundheitssystem?

Self-Tracking wird eine große Rolle in unserem zukünftigen Gesundheitssystem spielen. Vernetzte und kommunikationsfähige Gesundheitsprodukte werden zunehmend auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung in vielen Ländern leisten. Die Einbindung von Self-Tracking Daten in den Diagnose- und Behandlungsprozess des Arztes ermöglicht eine neue Qualität in der Patienten-Arzt- Beziehung und hat in ersten Studien bereits eine positive Wirkung auf den Heilungsverlauf und der Erreichung von Therapiezielen wie z.B. Gewichtsreduktion, bemerkenswerte Erfolge gezeigt. Hier erfahren wir eine große Nachfrage institutioneller Einrichtungen, von Krankenkassen und Versicherungen, sowie Anbietern betrieblicher Gesundheitsdienstleistungen, die mit der Einbindung von VitaDock Daten die Gesundheitsversorgung ihrer Patienten vervollständigen wollen.

Quantified Self Europa Konferenz 2014

Gary WolfAm 10 und 11. Mai fand die dritte Quantified Self Europa Konferenz statt. Wie schon bei den vergangenen malen gestalteten die Organisatoren das Event als „carefully curated Uncoference“ (sorgfältig zusammengestellte Unkonferenz) zu welcher die 250 Teilnehmer mit 100 Vorträgen, Workshops und Produkt-Demos beitrugen. Im Vergleich zu den letzten Jahren konnte man eine noch deutlichere Fokussierung auf die Beiträge der Teilnehmer erkennen, das Programm kam ohne Keynotes aus und das Rahmenprogramm setzte stattdessen auf kurze Input-Vorträge und anschließende Plenumsdiskussionen. Themenschwerpunkte wie im letzen Jahr, als intensiv über Emotions-Tracking und Lifelogging gesprochen wurde, kamen diese mal daher weniger deutliche zum Vorschein, was ich ein wenig vermisst habe.

Narrative

Die Beiträge der Mitglieder deckten wie auch schon in der Vergangenheit ein weites Spektrum ab, das volle Programm ist hier einsehbar. Mehrfach während den unterschiedlichen Workshops und Vorträge behandelt wurde das Thema Privatsphäre, aber auch Aggregatoren, mit denen Daten aus verschiedensten Bereichen in einer Plattform gesammelt werden können, wurden mit großem Eifer besprochen. Die Agenda der Konferenz mit ihren großzügigen Pausen erlaubte auch viele Gespräche mit den durchwegs interessanten Teilnehmern, welche von uns gerne genutzt wurden. Neben den Gästen aus ganz Europa waren auch einige Teilnehmer aus amerikanischen Quantified Self Meetup Gruppen dabei. Für die regelmäßigen Konferenz-Besucher war es eine große Freude die Freunde wieder zu sehen.

Publikum

Zum Abschluss der Konferenz würdigte Gary Wolf den Beitrag des kürzlich verstorbenen Psychologen Seth Roberts. Seth war als Self-Tracking Pionier eine große Inspiration für die Quantified Self Bewegung und auch maßgeblich mit am Aufbau beteiligt. Seinen Blog auf dem er über unzählige Selbstexperimente berichtet hat, findet ihr hier.

QS Europe Konferenz hat begonnen

Soeben hat die Quantified Self Europe Konferenz begonnen. Auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind zahlreiche Self-Tracker hier und uns stehen zwei großartige Tage mit Freunden und interessanten Themen bevor. Wir werden in den nächsten Tagen noch einen ausführlichen Artikel zum Thema posten. Wer die Ereignisse schon jetzt verfolgen möchte, kann dies bei Twitter mit dem Hashtag #QSEU14.

QS Berlin Show & Tell #6

Vor kurzem fand das sechste “Show & Tell” der Berliner QS-Gruppe statt, bei dem es drei interessante Vorträge zu hören gab.

Den Anfang machte Remco Vrielink, der über Integrität sprach und erzählte, wie er sich täglich Dinge vornimmt und am Ende des Tages analysiert, wie viele er davon tatsächlich geschafft bzw. erledigt hat. Beides erfasst er in einem normalen Notizbuch, den Anteil der erfüllten “Commitments” misst Remco in Prozent. Ein spannender Ansatz, denn allzu häufig ist die tägliche To-Do-Liste, die ja vermutlich beinahe jeder auf eine Art führt, etwas, bei dem man manche unliebsamen Aufgaben von einem Tag zum nächsten schiebt. Zumindest wird selten analysiert, was und wie viel man von seinen Vorsätzen erledigt und umsetzt – geschweige denn, womit dieser Faktor zusammenhängen könnte.

qs_berlin_show_tell_6_1

Mit dem Bereich Produktivität beschäftigte sich auch Brian Fabian Crain, den ich zu diesem Thema ja auch in dem brand-eins-Artikel über QS  porträtiert habe. Spannend fand ich vor allem Brians Gedanken über das Thema Anreize: Zu häufig messen wir bei Produktivität nur den Input, wie viel Zeit wir in etwas investieren – anstatt den Output zu messen, also was am Ende tatsächlich herauskommt, wie viel erledigt wurde. Das liegt u.a. daran, dass Input (i.d.R. Zeit) einfacher zu messen ist als Output (Menge vs Qualität, etc.).

Brian stellte drei verschiedene Ansätze vor, mit denen er bisher seine Produktivität gemessen hat:

1) Marc Andressens Methode: Jeden Abend auf eine Karteikarte 3-5 wichtige und große Dinge schreiben, die man am nächsten Tag erledigen will. Diese abarbeiten und auf der Rückseite der Karte vermerken, was man noch an Dingen erledigt hat, die nicht auf der Karte standen. Der  Vorteil: Die Methode misst Output anstatt (wie beispielsweise RescueTime) nur Input in Form von verbrachter Zeit zu tracken.

2) Die Pomodoro-Technik: Arbeit in 25-Minuten-Blöcke unterteilen, an deren Ende man erfasst, woran und wie produktiv man gearbeitet hat. Hat den Nachteil, dass man Input (Zeitaufwand) statt Output (Ergebnis) misst – wobei sich das durch die qualititative Bewertung WIE produktiv man war, ein wenig relativiert.

3) Cal Newports Methode: Der Mathematiker erfasst nur die Zeit, die er an wirklich schwierigen Aufgaben (er nennt es “deep work”) arbeitet. Da kommen nur wenige Stunden pro Woche zusammen, dafür legt er sehr strenge Kriterien an, was als “deep work” gilt. Das ganze Tagesgeschäft (Klausuren bewerten, Vorlesungen vorbereiten) erfasst er beispielsweise nicht. Brian nannte das Modell einen “interessanten Hybriden”, bleibt aber momentan bei der Pomodoro-Methode, die er inzwischen seit 17 Monaten benutzt.

qs_berlin_show_tell_6_3

Die Veranstaltung war gut besucht und auch das Medieninteresse am Thema scheint ungebrochen, diverse Journalisten waren anwesend, machten sich Notizen und führten anschließend Interviews, ebenso wie ein Kamerateam von RTL Extra, die einen größeren Beitrag über das Thema Self-Tracking planen.

qs_berlin_show_tell_6_2

Der dritte Vortrag des Abends kam vom Organisator Florian Schumacher selbst. “Tracking my life while celebrating it”, war der Titel und es war sicher der persönlichste Vortrag des Abends. Florian hat sich für 2014 vorgenommen, sein Leben in 12 Bereichen zu optimieren. Für das erste Quartal waren die Bereiche Ernährung, Sport und Produktivität dran.

Die Hacks, die Florian anwendet, waren interessant und reichen von einer gesunden aber bewusst sehr unaufwändigen Ernährung (morgens nur Kaffee mit Butter, also die Dave Asprey “Bulletproof”-Methode, mittags ein grüner Smoothie) bis zu einer zeitgesteuerten Lichtanlage in seinem Zimmer, die ihn automatisch zu einem Mittagsschlaf und zu regelmäßigen Bettzeiten konditioniert.

Spannend fand ich hier vor allem den Ansatz, so viele Entscheidungen wie möglich zu automatisieren, zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Er müsse nicht mehr jeden Morgen überlegen, ob er genug Zeit habe, zum Sport zu gehen, es sei ein fixer Termin, ebenso wie der Mittagsschlaf oder andere Dinge. Stichwort Decision Fatigue, je weniger man jedes Mal wieder über gewisse Dinge nachdenken muss, umso besser die Chancen, sie dauerhaft durchzuziehen.

qs_berlin_show_tell_6_4

Insgesamt war es wieder ein sehr interessanter Abend. Nach den Vorträgen gab es noch ein paar gute Beiträge am Open Mike, ebenso wie spannende Gespräche untereinander. Ich freue mich schon auf die nächste “Show & Tell”-Veranstaltung. Zuerst aber geht es nach Amsterdam!

Dieser Artikel ist zuerst auf Self-Tracking-Blog erschienen. Vielen Dank an Christoph Koch (Journalist und Autor von “Die Vermessung meiner Welt“) für den Bericht.

 

Self-Tracking Erfahrung im igrowdigital Podcast

Gemeinsam mit Christian Grasse und Johannes Kleske produziere ich seit einigen Monaten den igrowdigital Podcast, auf dem wir über die neusten Trends im Bereich Quantified Self und Wearables sprechen. In der aktuellen Folge geht es um unsere persönliche Erfahrung mit Self-Tracking. Johannes berichtet davon, wie er seinen Blutdruck gesenkt und mit intermittierendem Fasten sehr schnell abgenommen hat. Ich erkläre mein aktuelles Self-Tracking Programm, mit dem ich Gewicht reduziert, Muskeln aufgebaut und meinen Schlaf und meine Produktivität verbessert habe. Über diese Themen gibts auch einen Vortrag beim Berliner Quantified Self Show & Tell #6 heute Abend. Unter anderem spreche ich dabei auch über Time-Tracking. Die aktuelle Folge des igrowdigital Podcasts könnt ihr Euch direkt im Soundcloud Player anhören. Das Diagramm auf dem Bild zeigt, was ich im ersten Quartal 2014 mit meiner Zeit so angefangen habe.

Cheers, Florian

 

Testosteron-Tracking und Ernährung

Kratzwunden, die über Nacht heilen, erhöhter Blickkontakt mit dem vorbeiziehenden, weiblichen Geschlecht und eine hormonelle Aura, die alle Personen in einem drei Meter Umkreis überwältigt. So ähnlich beschreibt Tim Ferriss den Effekt der Verdreifachung seines Testosteronspiegels in seinem Buch “Der 4-Stunden-Körper.” Die Aggression, die schnelle Wundheilung und die übermäßige Kraft und Energie erinnern durchaus auch an den behaarten Mutanten in der X-Men Serie. In seinem zweiten Show & Tell ist Maximilian Gotzler diesmal der Macht des wichtigsten männlichen Geschlechtshormons auf den Grund gegangen. In folgendem Video könnt ihr Max’ unterhaltsamen Vortrag nochmals miterleben und mehr über die biologischen Mechanismen und Funktionen von Testosteron erfahren. Darüber hinaus erfahrt ihr, wie man sein Level mit Ernährung verändern kann und wie sich Auswirkungen einer signifikanten Erhöhung tatsächlich zeigen.

Maximilian Gotzler ist ehemaliger Leistungssportler, Unternehmer und langjähriger Self-Tracker. Mit seinem Unternehmen Biotrakr will er Nutzern ermöglichen, Blutwerte einfach zu ermitteln, richtig zu interpretieren und zu optimieren. Twitter: @maxeeegeee, @biotrakr.

Show & Tell #5 in Berlin

Zum fünften Berliner Quantified Self Meetup fanden wir uns erstmals im Hubraum, dem Startup Inkubator der Deutschen Telekom, wieder. Dieser bot einen hervorragenden Raum für ein anregendes Treffen, das von Florian Schumacher moderiert wurde. Mit mehr als hundert Teilnehmern war dann auch die Nachfrage groß.
QS Berlin #5

Wolverine werden (Max Gotzler)

Im ersten Vortrag des Abends teilte Max Gotzler seine Erkenntnisse über den optimalen Weg mehr wie Wolverine zu werden. Als Selbstvermesser ging er die Sache natürlich systematisch an und fokussierte sich bei seinen Bluttests auf den Testosteronspiegel.

Nach einer Einführung in die biologische Funktion des Testosterons, erklärte er auch warum dieses wichtige Hormon im Alter tendenziell abnimmt.

Sein Experiment begann nachdem er in einem Bluttest feststellte, dass sein Testosteronspiegel erstaunlich tief war. Max wechselte daraufhin auf eine Low-Carb Diät und reduzierte den Anteil der Kohlenhydrate auf unter 30%. Obwohl er sich aggressiver und besser fühlte passte der deutliche Gewichtsverlust nicht zum Wolverine-Pfad. In einem Bluttest fand er auch, dass seine Testosteronwerte deutlich abgenommen hatten.

In der folgenden Zeit begann er mehr Kohlenhydrate zu essen und nahm prompt wieder fünf Kilo an Muskelmasse zu. In einem erneuten Bluttest fand Max eine dramatische Erhöhung seines Testosteronwertes. Obwohl der Zusammenhang zwischen Testosteron und Kohlenhydrateinnahme nicht ganz bekannt ist, fand Max doch eine Studie in der kohlenhydratarme Ernährung den Testosteronspiegel in Athleten senkte.

Testosterone

Max gab ebenfalls ein kurzes Update zu seinem Startup Biotrakr, das ambitioniert allen zum Wolverine-Status verhelfen möchte. Der erste Schritt auf diesem Weg ist ein Vitamin-D Test, der auf Biotrakr innert Kürze erhältlich sein wird.

Bluttests und Fast-Food Experimente (Roland Gaber)

Auch im zweiten Show & Tell waren Bluttests das zentrale Thema. Rolands Erfahrungen mit Bluttests begannen vor neun Jahren als er plötzlich starke Magenschmerzen bekam und in den folgenden Monaten 20kg Gewicht verlor. Nach langer Suche half ihm ein Bluttest schlussendlich die Ursache in mangelhaften Magnesium-, Zink- und Proteinwerten zu finden. In der Folge halfen ihm Sport, gesundes Essen und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln um sich wieder zu erholen.

Das letzte Jahr verbrachte Roland als Austauschstudent an der University of Chicago und führte da ein grosses (und ausgesprochen amerikanisches) Selbstexperiment durch: Eine hundertprozentige Fastfood Diät!

Nachdem er sich selbstlos zwei Monate diesem Experiment hingegeben hatte, zeigte ein Bluttest mit Inside Tracker dass sein LDL-Cholesterol und Vitamin-D Niveaus schlecht waren. Auch Magnesium, Testosteron und HDL Cholesterol waren nicht ideal.

In der Folge, startete Roland Phase 2 seines Experimentes: gesünderes Essen, Schrittezählen mit Jawbone, viele Nüsse und Früchte und Besuch der Freundin. In der Tat wirkten diese und seine Testergebnisse verbesserten sich markant.

Schritt für Schritt Richtung Halbmarathon (Holger Dieterich)

Für Holger fing seine persönliche Reise mit dem Kauf eines Fitbits an. Im Januar 2012 begann er aus Neugierde seine Schritte zu tracken. Da er seinen Tagesdurchschnitt von 7’500 Schritten nicht zufriedenstellend fand, ging er nach einiger Zeit vom tracken zum optimieren über und setzte sich ein Ziel von 10,000 Schritte pro Tag. Auch dank der Hilfe seiner Frau, die sich als effektive Motivatorin herausstellte, erreichte er das Ziel.

Danach hörte Holger von einem neuen Phänomen namens ‘Jogging’. Er lud sich die App Runkeeper runter und begann dessen Halbmarathon Programm. Durch Ziel und den motivierenden Effekt des Tracken fand er es erstaunlich einfach den Trainingsplan einzuhalten – selbst in Berlins bisweilen unfreundlicher Kälte. Seine Aktivität und ein deutlicher Fettverlust zeigte auch auf der Withingswaage. Im März steht der Halbmarathon an!

Audience QS Berlin

Quantified Self – Eine Journalistenperspektive (Christoph Koch)

Journalisten haben oft eine ambivalente bis negative Einstellung gegenüber Quantified Self. Christoph Koch, ein Journalist für Brand Eins und andere Medien, unterscheidet sich allerdings da er sich selbst praktisch mit dem Thema auseinandersetzte und darin grossen Wert fand. Er schrieb in der Folge sogar ein Buch über seine Erfahrungen: Die Vermessung Meiner Welt. Darin dokumentiert er seine zahlreichen Selbstvermessungsexperimente, die von Schritte zählen, zu Essen, Ausgaben, und Produktivität reichten.

Er fand dabei, dass Verhalten zu ändern einfach ist wenn man etwas misst und die Daten als Feedback hat: Zum Beispiel nutzte er zum ersten Mal  regelmässig Treppe statt Aufzug.

In seinem Vortrag nahm sich Christoph allerdings der Berichterstattung über Quantified Self in den Medien an. Er lehnte sich dabei im wesentlichen an Standartsituationen der Technologiekritik von Kathrin Passig an. Diese hat immer wiederkehrende Mustern der Technologiekritik dokumentiert. z.B.

  • Wofür ist das überhaupt gut?
  • Ist das nicht nur für Privilegierte?
  • Das ist gar nichts neues.
  • Es ist zu kompliziert.
  • Junge Leute werden es inkorrekt verwenden.
  • Es macht die Kultur kaputt.

In Christophs unterhaltsamer Präsentation machte er eine Tour durch die Berichterstattung über Quantified Self und fand genau diese Muster auch wieder. (Als jemand der auch schon öfters in den Medien zum Thema Quantified Self portraitiert wurde, konnte Ich seinen Einschätzungen nur zustimmen.)

Christoph schreibt auch den self-tracking-blog.de, wo er sich mit dem Thema befasst.

OFFTIME (Alexander Steinhart)

Zuletzt stellte Alexander Steinhart kurz die Anwendung seines Startups (OFFTIME) vor. Der Zweck von (OFFTIME) ist es auf dem Mobiltelefon (leider nur Android) Internet, Telefon, SMS temporär auszuschalten um Perioden der Stille, Entkoppelung und Produktivität zu ermöglichen. Ähnliche Dienste sind auch für den Computer populär (z.B. SelfControl) doch (OFFTIME) bringt dies nun auch zu Smartphones und gibt zudem Feedback über den Gebrauch des Smartphones. Momentan arbeitet das Startup mit Telefonanbietern zusammen und führt gerade ein Experiment mit der Swisscom durch.

Brian Fabian Crain ist Co-Organisator der Quantified Self Gruppe Berlin und Gründer von Epicenter Bitcoin, einem Newsletter & Podcast über Bitcoin.